Der weltweit tätige Rückversicherer Swiss Re blickt auf ein erfolgreiches erstes Halbjahr zurück, sieht sich jedoch mit wachsenden Herausforderungen durch den Klimawandel konfrontiert. Während der Konzern am Donnerstag ein deutliches Gewinnplus und ehrgeizige Effizienzziele präsentierte, mahnte Konzernchef Andreas Berger am heutigen Sonntag zur Vorsicht bei der Einschätzung langfristiger Risiken.

Warnung vor unterschätzten Mortalitätsrisiken

In einem Interview mit der „NZZ am Sonntag“ wies CEO Andreas Berger heute auf die Gefahren durch Hitzewellen in Europa hin. Laut Reuters warnt der Konzernchef davor, dass die Mortalitätsrisiken durch steigende Temperaturen derzeit massiv unterschätzt würden. Eine exakte Quantifizierung dieser Auswirkungen auf die künftigen Konzernergebnisse sei zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch verfrüht.

Diese Einschätzung unterstreicht die Notwendigkeit einer präzisen Risikoanalyse, die Berger auch als zentralen Pfeiler der Konzernstrategie sieht. Dabei setzt Swiss Re verstärkt auf Künstliche Intelligenz (KI), um die steigende Nachfrage nach komplexer Risikoexpertise und effizientem Risikotransfer zu bedienen.

Halbjahresbilanz zeigt operative Stärke

Operativ konnte Swiss Re in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 zulegen. Wie das Unternehmen am Donnerstag bekannt gab, stieg der Reingewinn zum Stichtag 30. Juni um 9 % auf 2,8 Mrd. USD. Parallel dazu hob der Konzern seine Ziele für betriebliche Kostensenkungen an: Bis zum Jahr 2028 sollen nun Einsparungen in Höhe von 500 Mio. USD realisiert werden.

Die verschiedenen Sparten des Konzerns trugen zum Gesamtergebnis bei. Der Bereich Sach- und Haftpflicht-Rückversicherung (P&C Re) erwirtschaftete einen Gewinn von 1,4 Mrd. USD bei einer Combined Ratio von 76,7 %. Die Lebens- und Kranken-Rückversicherung (L&H Re) steuerte 1,0 Mrd. USD bei, während Corporate Solutions einen Beitrag von 490 Mio. USD leistete. Die Rendite auf Kapitalanlagen (ROI) wurde mit 4,0 % ausgewiesen.

Trotz der positiven Gewinnentwicklung gestalteten sich die Vertragserneuerungen im Bereich P&C Re im Juni und Juli anspruchsvoll. Bei einem erneuerten Prämienvolumen von 4,5 Mrd. USD verzeichnete der Konzern eine nominale Preissenkung von 1,2 %.

Strategische Neuausrichtung und Analystenskepsis

Neben den Zahlen kündigte Swiss Re personelle Veränderungen an. Velina Peneva, derzeit Group CIO, wird zum 1. Oktober die Leitung der Sparte Life & Health Reinsurance übernehmen und damit auf Paul Murray folgen. Neuer Group Chief Investment Officer wird Martin Zingg. Zudem baut die Sparte Corporate Solutions ihre internationale Präsenz durch exklusive Partnerschaften in Indien und Mexiko aus. Im Zuge der Kooperation in Mexiko überträgt Swiss Re ihr direktes gewerbliches Versicherungsportfolio an GNP Seguros.

An der Börse wurde das Zahlenwerk verhalten aufgenommen. Die Aktie schloss am Freitag bei 148,05 € und liegt damit seit Jahresbeginn 3,97 % im Plus. Aktuell notiert der Wert rund 6,43 % über seinem 50-Tage-Durchschnitt.

Analysten reagierten am Donnerstag mit Zurückhaltung auf die Präsentation. JP Morgan bestätigte die Einstufung „Underweight“ mit einem Kursziel von 125,00 CHF. Auch UBS bleibt skeptisch und bekräftigte die Verkaufsempfehlung mit einem Kursziel von 112,00 CHF. Medienberichten zufolge belässt Jefferies die Einstufung auf „Hold“ und sieht das Kursziel bei 130,00 CHF.