Das Unternehmen T1 Energy verfolgt eine tiefgreifende Erweiterung seines Geschäftsmodells, um neben der Solarfertigung verstärkt im Bereich der digitalen Infrastruktur Fuß zu fassen.
Im Zentrum dieser Strategie steht die Verwertung von Netzkapazitäten, die dem Konzern den Einstieg in den Markt für Rechenzentren ermöglichen. Mit einer gesicherten Position in der Warteschlange für Netzkapazitäten von insgesamt 396 Megawatt verfügt das Unternehmen über eine wertvolle Basis für künftige Projekte.
Strategische Neuausrichtung in Norwegen und Texas
Ein wesentlicher Pfeiler dieser Entwicklung ist der Giga Arctic Campus im norwegischen Mo i Rana. Medienberichten zufolge genehmigte der zuständige kommunale Ausschuss am vergangenen Donnerstag eine Umwidmung von Teilflächen des Geländes. Damit ist der Weg frei, um etwa 161.000 Quadratmeter des dortigen Gebäudekomplexes für den Betrieb von Rechenzentren zu nutzen.
Ein erstes Projekt mit einer Kapazität von 50 Megawatt soll dort bereits im Jahr 2027 den Betrieb aufnehmen, wobei Optionen für künftige Erweiterungen bestehen.
Parallel dazu treibt T1 Energy den Ausbau seiner US-Produktion voran. In Austin, Texas, entsteht derzeit die Solarzellen-Fabrik G2_Austin, deren Bau im Dezember vergangenen Jahres begann. Ab dem ersten Quartal 2027 sollen dort Solarzellen gefertigt werden.
Das Ziel des Unternehmens ist es, ab diesem Zeitpunkt Solarmodule anzubieten, deren lokaler Wertschöpfungsanteil in den USA bei über 60 Prozent liegt. Damit reagiert der Konzern auf die Handelspolitik der US-Regierung, die verstärkt auf Zölle für Polysilizium und die Förderung heimischer Lieferketten setzt.
Finanzierung und operative Entwicklung
Um diese kapitalintensiven Projekte zu finanzieren, hat T1 Energy Ende Juli eine Privatplatzierung von Wandelanleihen mit einem Gesamtvolumen von 120,0 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Diese Mittel dienen als Brückenfinanzierung für die Ausrüstung der Fabrik in Texas, bis eine umfassendere Finanzierungslösung unter Einbeziehung größerer Fremdkapitalanteile steht.
Vor gut drei Wochen veröffentlichte das Unternehmen zudem die Ergebnisse für das zweite Quartal, in dem ein Nettoverlust von 36,9 Millionen US-Dollar bei einem Umsatz von 250,1 Millionen US-Dollar verzeichnet wurde.
An der Börse notiert die Aktie heute bei 3,78 Euro und verzeichnet damit ein Plus von 1,6 Prozent. Das Papier befindet sich jedoch weiterhin in einer schwierigen Marktphase und liegt mit deutlichem Abstand unter dem 52-Wochen-Hoch von 11,00 Euro.
Trotz der operativen Verluste rechnen die Verantwortlichen für die zweite Jahreshälfte mit steigenden Produktionsraten. Für das Gesamtjahr 2026 wird ein Produktionsvolumen am oberen Ende der Prognosespanne von 3,1 bis 4,2 Gigawatt angestrebt.
Einschätzungen der Analysten
Die strategischen Fortschritte stießen bei Analysehäusern zuletzt auf ein positives Echo. Die Analysten von BTIG Research hoben am 12. August ihr Kursziel von 8,00 auf 9,00 US-Dollar an und vergaben eine Kaufempfehlung. Sie verwiesen dabei auf die Potenziale der neuen Geschäftsfelder. Auch Roth MKM bekräftigte am 13. August seine Einstufung mit einem „Buy“-Rating.
Beide Häuser sehen in der Kombination aus US-basierter Fertigung und der Expansion in den Infrastruktursektor wesentliche Treiber für die künftige Unternehmensbewertung. Zudem stützt ein Anfang August geschlossener Vertrag über die Lieferung von 641 Megawatt an Solarmodulen an die Clearway Energy Group die langfristige Auslastung der neuen US-Fertigung.
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