Starke digitale Nachfrage, enttäuschende Zahlen im Einzelhandel. Beim Vorverkaufsstart von Grand Theft Auto VI klaffen Realität und Erwartung an der Ladenkasse weit auseinander. Die Aktie von Take-Two klettert am Dienstag dennoch um rund ein Prozent auf 219,00 Euro. Investoren wägen nun ab, wie schwer der Wandel zum reinen Download-Geschäft wiegt.

Digitaler Boom schlägt Einzelhandel

Seit dem 25. Juni läuft die Vorbestellungsphase für den neuen Blockbuster. Die ersten Daten zeichnen ein extremes Bild. Ein großer französischer Händler meldet gigantische Volumina. Demnach lag die Zahl der Vorbestellungen in den ersten 24 Stunden sechsmal höher als beim gesamten Lebenszyklus eines typischen Call of Duty-Titels.

Parallel dazu verzeichnet Xbox digitale Rekordwerte. Physische Händler schlagen derweil Alarm. Mitarbeiter vor Ort beschreiben die anfänglichen Ladenverkäufe als katastrophal. Die Folge: Die Spielerschaft wandert fast vollständig zur digitalen Distribution ab.

Sony-Deal und ambitionierte Ziele

Ein weiteres Detail stützt den Kurs. Neue Werbematerialien verzichten komplett auf Xbox-Logos. Das untermauert Berichte über einen exklusiven Marketing-Deal mit Sony für die PlayStation.

Auch institutionelle Investoren greifen zu. Die Patriot Financial Group meldete am Dienstag einen neuen Einstieg bei Take-Two. Das Management liefert dafür gute Argumente. Nach einem starken Umsatz von 6,66 Milliarden US-Dollar im abgelaufenen Geschäftsjahr liegen die Erwartungen hoch. Für 2027 peilt der Vorstand Nettobuchungen von über acht Milliarden Dollar an.

Hohe Margen im Fokus

Der Markt blickt nun auf die Gewinnmargen. Das Spiel kostet in der Basisversion rund 80 US-Dollar. Analysten der Bank of America haben nachgerechnet. Jede Preiserhöhung um zehn Dollar bringt demnach fast eine halbe Milliarde Dollar zusätzlichen Bruttoumsatz. Sie kalkulieren mit massiven Verkaufszahlen im ersten Jahr.

Charttechnisch mahnt die Lage zur Vorsicht. Nach einem Monatsplus von rund zwölf Prozent notiert die Aktie knapp unter ihrem Jahreshoch von 225,30 Euro. Der Relative-Stärke-Index steht aktuell bei 70,2 Punkten. Damit gilt das Papier als überkauft.

Die Volatilität dürfte in den kommenden Wochen hoch bleiben. Anfang Juli erwarten Händler konkretere internationale Verkaufsdaten. Der nächste große Impuls steht bereits fest. Ein dritter Trailer soll die Vorfreude auf den Release am 19. November weiter anheizen.