Am Donnerstag hat Telecom Italia einen Schritt vollzogen, den sich viele Anleger seit Jahren gewünscht haben. Die italienische Telefongesellschaft wandelte alle ihre Vorzugsaktien in Stammaktien um. Damit verschwindet eine Aktiengattung, die zwar höhere Dividenden bot, aber kein Stimmrecht hatte.

Das Ziel: eine schlankere Kapitalstruktur und mehr Transparenz. Künftig gibt es nur noch eine Aktienkategorie, in der Stimm- und Gewinnrechte zusammenfallen. Das dürfte die Liquidität verbessern und Interessenkonflikte zwischen verschiedenen Aktionärsgruppen beseitigen.

Strategische Neuaufstellung

Die Vereinfachung ist kein isolierter Schritt. Sie reiht sich ein in eine umfassende Restrukturierung, die TIM in den vergangenen Jahren massiv vorangebracht hat. Den größten Einschnitt gab es 2024: der Verkauf des Festnetzgeschäfts NetCo an KKR. Der Deal brachte bis zu 22 Milliarden Euro in die Kassen und senkte die Nettoschulden drastisch.

Die Ratingagenturen reagierten positiv. Fitch hob den Ausblick auf Positiv an, Moody’s stufte TIM auf Ba1 hoch – beides klare Signale für die Entschuldung.

Gleichzeitig rückt eine mögliche Übernahme näher. Die staatliche Poste Italiane hatte im März ein Angebot über 10,8 Milliarden Euro vorgelegt. Die Italiener halten bereits einen bedeutenden Anteil an TIM. Das Angebot könnte die nationale Kontrolle über den ehemaligen Telefonmonopolisten wieder stärken – ein in Europa verbreitetes Modell.

Kurse auf Erholungskurs

Die Börse honoriert die Entwicklung. Am Donnerstag markierte die TIM-Aktie ein neues 52-Wochen-Hoch bei 0,73 Euro. Seit Freitag notiert sie bei 0,72 Euro – ein Minus von 0,99 Prozent. Über die vergangenen zwölf Monate steht ein Plus von knapp 85 Prozent zu Buche.

Nach dem NetCo-Verkauf konzentriert sich TIM nun auf das operative Geschäft als schlanker Service-Anbieter. Schwerpunkte sind digitale Dienste, der 5G-Ausbau und das internationale Geschäft, vor allem in Brasilien. Investitionen in 5G, Künstliche Intelligenz, das Internet der Dinge und Rechenzentren sind Teil des strategischen Plans. Ziel: die Cash-Generierung beschleunigen und die Verschuldung weiter senken.

Mit der vereinfachten Aktienstruktur und dem Rückenwind durch die positive Bonitätsbewertung ist TIM besser aufgestellt als seit Jahren. Die Entscheidung von Poste Italiane oder anderen Interessenten dürfte der nächste entscheidende Schritt sein.