Fast neun Jahre nach der ersten Präsentation hat Tesla die Auslieferung seines vollelektrischen Lastwagens Semi an eine erste Kundengruppe begonnen. Bei der Übergabeveranstaltung am Donnerstag bekräftigten Führungskräfte des Konzerns das Ziel, im Werk im US-Bundesstaat Nevada künftig 50.000 Einheiten des Nutzfahrzeugs pro Jahr zu fertigen. Konkrete Angaben zu den aktuellen Produktionszahlen oder den Verkaufspreisen des Fahrzeugs machte das Unternehmen dabei allerdings nicht.
Flottenauftrag stützt die Nutzfahrzeugsparte
Die Aufnahme der Kundenauslieferungen folgt auf einen umfangreichen Flottenauftrag aus der Logistikbranche. Wie am Mittwoch bekannt wurde, wählte die Allianz ZET SCALE den Hersteller als Hauptlieferanten für einen Auftrag über bis zu 2.500 schwere Elektro-Lkw der Klasse 8 aus.
Die Zugmaschinen sollen über ZET Financial erworben und anschließend an beteiligte Transport- und Frachtunternehmen verleast werden. Erste Auslieferungen aus dieser Vereinbarung sind für das vierte Quartal 2026 avisiert.
Flankiert wird der Einstieg in den schweren Straßengüterverkehr durch den Aufbau der notwendigen Energieversorgung. Tesla wird an drei neuen Depots des Anbieters Forum Mobility in Kalifornien öffentliche Megacharging-Stationen betreiben. Das Infrastrukturunternehmen beziffert die dort bereitgestellte Ladekapazität für schwere Nutzfahrzeuge auf insgesamt 30 Megawatt.
Verhaltene Kursreaktion und neue Bewertungsfragen
An den Finanzmärkten sorgte der Auslieferungsstart für wenig Schwung. Die Tesla-Aktie ging am Freitag mit einem Minus von 1,5 Prozent bei 327,00 Euro aus dem Handel. Seit Jahresanfang verzeichnet das Papier damit einen Rückgang von 17 Prozent.
Medienberichten zufolge lastete am Freitag eine Kurszielsenkung durch BNP Paribas Exane auf dem Papier, begleitet von anhaltenden Vorbehalten bezüglich des Bewertungsniveaus und der kurzfristigen Ertragskraft neuer Produktlinien. UBS-Analyst Joseph Spak hatte die Einstufung für den Titel am Donnerstag auf „Neutral“ mit einem Kursziel von $385 belassen.
Prüfungen bei Assistenzsystemen und anstehende Termine
Parallel zum Vorstoß in den Nutzfahrzeugmarkt bleiben die Technologien rund um das autonome Fahren im Fokus von Behörden und Testern. In Europa erteilte die Tschechische Republik dem FSD-System (Full Self-Driving) am 21. September eine vorläufige Genehmigung, nachdem zuvor Sicherheitsaspekte und die Fahrerüberwachung analysiert worden waren.
Demgegenüber berichtete Reuters am Donnerstag über Tests der belgischen Verkehrssicherheitsorganisation Johanna.be, bei denen das überwachte FSD-System mehrfach Geschwindigkeitsbegrenzungen missachtet und unzulässige Überholmanöver gegenüber Radfahrern initiiert haben soll.
In den USA sieht sich der Konzern zugleich Fristen gegenüber. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA verpflichtete Tesla am 15. September im Zuge einer laufenden Untersuchung, bis zum 30. September darzulegen, ob temporäre Steuerungselemente für menschliche Fahrer Teil der Konformitätsgrundlage für die Selbstzertifizierung des Cybercab waren.
Unterdessen steht bereits der nächste Unternehmenstermin bevor: Tesla-CEO Elon Musk hatte angekündigt, die neue Generation des Sportwagens Roadster am 1. Oktober zu enthüllen.
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