Ein zweisitziges Auto ohne Lenkrad, ohne Livestream, ohne Auftritt von Elon Musk – so lief der Cybercab-Start in Austin ab. Was als Meilenstein geplant war, hinterließ an der Börse vor allem Fragezeichen. Der Kurs reagierte prompt: Tesla verlor am Freitag 5,92 Prozent, ein Einbruch, der auch Cathie Woods ARK Innovation ETF spürbar belastete, da Tesla dort mit knapp 9,6 Prozent gewichtet ist.

Kein Livestream, dafür eine Behördenprüfung

Der Launch am Donnerstagabend war eine geschlossene Veranstaltung mit geladenen Gästen unter Verschwiegenheitserklärung. Zu Preisen, Produktionstempo oder Ausrollplan äußerte sich Tesla nicht.

Parallel eröffnete die US-Verkehrsbehörde NHTSA eine Prüfung, wie Tesla rund 1.000 Cybercabs – Fahrzeuge ohne Lenkrad, Pedale und Spiegel – selbst als konform mit den bundesweiten Sicherheitsstandards zertifiziert hat.

Ein Vergleichsfall gibt einen Hinweis auf die Dauer solcher Verfahren: Die Amazon-Tochter Zoox zertifizierte ihr fahrerloses Fahrzeug 2022 ebenfalls selbst und erhielt die formelle Ausnahmegenehmigung erst 2026, nach vier Jahren.

Cybercab-Fahrten sind vorerst auf begrenzte Gebiete von Austin beschränkt. Der breitere Robotaxi-Dienst mit Model-Y-Fahrzeugen läuft bereits in Tampa, Miami, Dallas und Houston. Tesla-KI-Chef Ashok Elluswamy verkündete beim Launch-Event, die Flotte habe die Marke von einer Million Meilen im unüberwachten Betrieb überschritten – nach 380.000 Meilen im Update zum zweiten Quartal.

Goldman Sachs: Software entscheidet, nicht die Fertigung

Goldman Sachs sieht im Cybercab durchaus einen möglichen Kostenvorteil. Erreicht Tesla die angepeilten Herstellungskosten von 20.000 bis 30.000 Dollar pro Fahrzeug, ergebe sich ein Vorteil von 0,05 bis 0,30 Dollar pro Meile gegenüber Wettbewerbern, deren Fahrzeuge nach Bankschätzung 50.000 bis 100.000 Dollar kosten.

Entscheidender für die Skalierung sei aber die Software – eine schnelle Ausweitung des Betriebsgebiets würde mehr Umsatz bei gleichzeitig sinkenden Kosten pro Meile bedeuten.

Bei den Sicherheitsdaten zeigt sich ein gemischtes Bild. In Nordamerika verzeichnete die vierte FSD-Hardwaregeneration laut Goldman Sachs 75 bis 85 Prozent weniger automatische Notbremsungen als Tesla-Fahrzeuge ohne das System.

Im vollständig fahrerlosen Betrieb kam es laut NHTSA-Daten und Tesla-Angaben für Austin, Dallas und Houston jedoch alle 50.000 bis 70.000 Meilen zu einem Unfall, unabhängig von der Schuldfrage. Zum Vergleich: Wettbewerber Waymo verfügt bereits über mehr als 200 Millionen autonome Meilen.

Goldman Sachs beließ das Kursziel bei 360 Dollar und die Einstufung bei Neutral, mit einem Aufwärtsszenario um 500 Dollar und einem Abwärtsszenario um 150 Dollar.

Das Analystenbild bleibt insgesamt gespalten: JPMorgan sieht Hold bei 445 Dollar, RBC Capital Buy bei 480 Dollar, während GLJ Research mit Sell und einem Kursziel von 24,86 Dollar deutlich abweicht. Der Konsens aus 27 Einschätzungen lautet Moderate Buy bei einem mittleren Kursziel von 377,08 Dollar.

Die laufende NHTSA-Prüfung zur Selbstzertifizierung bleibt der entscheidende Unsicherheitsfaktor. Solange Tesla keine Zahlen zu Preisen, Produktionstempo und geografischer Ausweitung liefert, dürfte der Markt auf Sicht fahren.