Thyssenkrupp baut sich gerade grundlegend um — und stößt dabei auf ein Problem, das kein Ingenieur lösen kann. Für die geplante Stahlproduktion mit Wasserstoff braucht der Konzern eine Eisenerzqualität, die weltweit knapp ist.

Die 67-Prozent-Hürde

Wasserstoffbetriebene Direktreduktionsanlagen funktionieren nur mit Eisenerz, das mindestens 67 Prozent Eisengehalt hat. Solche hochreinen Vorkommen sind selten. Der Wettbewerb um stabile Lieferverträge zieht weltweit an.

Thyssenkrupp sucht deshalb gezielt Partnerschaften mit spezialisierten Lieferanten wie Strategic Resources und etablierten Rohstoffkonzernen wie Rio Tinto. Der Grund ist konkret: Ab 2026 soll in Duisburg die wasserstoffbasierte Produktion hochlaufen. Das neue Werk kostet rund drei Milliarden Euro — eines der größten Industriebauprojekte Deutschlands.

Operative Erholung mit Fragezeichen

Das zweite Quartal lief besser als erwartet. Das bereinigte EBIT stieg auf 198 Millionen Euro — im Vorjahresquartal waren es lediglich 19 Millionen Euro. Gesunkene Rohstoffkosten und erste Effekte der Restrukturierung trieben den Anstieg.

Das Umfeld bleibt trotzdem schwierig. Für das Geschäftsjahr 2025/2026 rechnet Thyssenkrupp mit einem Umsatzrückgang von bis zu drei Prozent. Entlastung kommt von der EU: Ab 1. Juli 2026 greifen neue Schutzmaßnahmen, die Importquoten für Billigstahl aus Drittländern stark senken.

Umbau zur Finanzholding

Parallel läuft die Transformation des Konzerns. Unter der Strategie „ACES 2030″ will das Management Thyssenkrupp als Finanzholding aufstellen. Töchter wie tk accelis oder die Rüstungssparte Marine Systems sollen eigenständig agieren. Die heutige Aufsichtsratssitzung zur Werkstofftochter gilt als nächster Schritt auf diesem Weg.

Für den Sommer prüft der Konzern eine außerordentliche Hauptversammlung. Dort sollen die Beschlüsse für weitere Abspaltungen fallen.

Die Aktie notiert bei 11,34 Euro — rund zwölf Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt. Seit Jahresbeginn legte das Papier knapp 17 Prozent zu, auf Jahressicht sogar rund 32 Prozent. Ob diese Bewertung hält, entscheidet sich nicht zuletzt daran, wie schnell Thyssenkrupp seine Rohstoffversorgung absichert.