Thyssenkrupp macht Nägel mit Köpfen: Die Werkstoff-Handelstochter tk accelis, vormals als Materials Services bekannt, soll im Herbst 2026 an die Frankfurter Börse. Die Abspaltung wird nach Eintragung ins Handelsregister Ende Oktober 2026 rechtswirksam, danach folgt die Notierung am regulierten Markt. Aktionäre erhalten für je 20 Thyssenkrupp-Aktien eine Aktie der TK Accelis Group AG & Co. KGaA, wie Reuters berichtet. Der Mutterkonzern behält zunächst 51 Prozent der Anteile, kann diesen Anteil laut Dow Jones News später auf bis zu 30 Prozent reduzieren.

Über die Abspaltung stimmen die Aktionäre am kommenden Freitag auf einer außerordentlichen Hauptversammlung ab. Spartenchefin Ilse Henne zeigt sich nach Angaben des Handelsblatts entschlossen: „Unser Ziel ist es, noch 2026 die Börsennotierung zu vollziehen.“ Tk accelis ist nach eigener Einordnung der weltweit größte Werkstoffhändler, Marktführer in Europa und Nummer drei in Nordamerika. Im Geschäftsjahr 2024/25 setzte die Sparte 11,4 Milliarden Euro um und beschäftigte mehr als 15.000 Mitarbeiter. Mittelfristig peilt das Management ein Umsatzwachstum von über 4 Prozent sowie eine Ebitda-Marge zwischen 4 und 5 Prozent an. Henne plant zudem Expansion in Nordamerika, auch über Zukäufe, und fordert nach Handelsblatt-Angaben mehr Transparenz in Lieferketten sowie eine konsequentere Industriepolitik.

Lopez baut Konzern zur Finanzholding um

Für Thyssenkrupp-Chef Miguel Lopez ist der Schritt Teil einer größeren Strategie. Er treibt den Umbau des Ruhrkonzerns zu einer Finanzholding voran, in der die einzelnen Sparten eigenständiger agieren und direkten Zugang zum Kapitalmarkt erhalten. Nach Wasserstoff-Tochter Nucera und Marinesparte TKMS wäre tk accelis bereits der dritte Baustein dieser Zerschlagungsstrategie. Für das verbleibende Stahlgeschäft sucht der Konzern laut Reuters weiterhin nach einer Lösung.

Bewegung gibt es auch bei TKMS selbst: Die Marinesparte verhandelt einem Bericht zufolge über milliardenschwere U-Boot-Aufträge mit Kanada und Indien. Kanada plant den Ersatz seiner Victoria-Klasse bis 2034 und könnte bis zu zwölf U-Boote der Klasse 212CD mit einem Gesamtvolumen von rund 24 Milliarden kanadischen Dollar beschaffen, wobei TKMS als bevorzugter Partner gilt. In Indien geht es im Rahmen des Projekts 75I um sechs U-Boote des Typs 214 im Wert von etwa 8 Milliarden Euro, gefertigt bei Mazagon Dock Shipbuilders. Parallel baut das Management eine europäische Allianz mit dem spanischen Rüstungskonzern Navantia auf.

Nicht nur Erfolgsmeldungen prägen den Tag: Die IG Metall warnt vor dem Aus für das Thyssenkrupp-Elektrostahlwerk in Gelsenkirchen. NRW-Bezirksleiter Knut Giesler mahnte laut WAZ: „Wenn wir das Werk in Gelsenkirchen verlieren, machen wir uns wieder abhängig von China.“ Das Werk produziert Elektroband für Transformatoren, Giesler sieht keinen ausreichenden Schutz durch Zölle gegen Dumping-Importe aus Asien.

Aktie nähert sich wieder dem Jahreshoch

An der Börse kommt die Nachrichtenlage gut an. Die Thyssenkrupp-Aktie legt am heutigen Montag um 1,20 Prozent zu und notiert bei 12,21 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier damit 31,60 Prozent gewonnen. Zum 52-Wochen-Hoch von 13,24 Euro, erreicht am 9. Oktober vergangenen Jahres, fehlen der Aktie noch 7,85 Prozent. Der schrittweise Umbau in eigenständige, börsennotierte Einheiten scheint bei Investoren also anzukommen – die konkrete Umsetzung des tk-accelis-Spin-offs dürfte in den kommenden Wochen zum zentralen Kurstreiber für den Konzern werden.