Die Bank of America hält an ihrer Kaufempfehlung für Thyssenkrupp fest. Ausgerechnet an einem schwachen Markttag — der DAX verlor zeitweise über ein Prozent — setzt die US-Bank damit ein klares Signal. Der Kurs gibt heute trotzdem um 3,6 Prozent auf 10,68 Euro nach.

Börsengang und Fregatten als Kurstreiber

Der Grund für das BofA-Vertrauen: der geplante Börsengang der Sparte Materials Services. Marktbeobachter sehen im Listing dieses Werkstoffgeschäfts einen wichtigen Schritt zur Vereinfachung der Konzernstruktur. Die Abspaltung soll Wertreserven heben, die im Konglomerat bislang unsichtbar bleiben.

Parallel dazu bekommt die Marinesparte TKMS frischen Wind. Das Bundesverteidigungsministerium hat das Fregattenprojekt F126 wegen massiver Kostensteigerungen und Verzögerungen gestoppt. Stattdessen sollen acht Fregatten des Typs Meko A-200 DEU beschafft werden — ein Kernprodukt von Thyssenkrupp Marine Systems. Die Folge: deutlich bessere Auslastung für die Werft.

Hinzu kommt ein möglicher Großauftrag aus Indien. Im Rahmen von Regierungsbesuchen warb Berlin aktiv für den Bau von sechs U-Booten durch TKMS in Mumbai. Ein Abschluss gilt als wesentliche Voraussetzung dafür, dass die Marinesparte eigenständig an die Börse gehen kann.

Stahl bleibt das Sorgenkind

Das Stahlgeschäft dämpft die Aufbruchstimmung. Eine sogenannte Hitzeflaute — wenig Wind und Solareinspeisung bei hoher Kühlungsnachfrage — treibt die Strompreise am Day-Ahead-Markt nach oben. Für energieintensive Stahlwerke bedeutet das höhere Kosten in einer ohnehin schwierigen Phase.

Obendrein streitet die Branche über die künftige Ausgestaltung des Emissionshandels. Thyssenkrupp Steel steckt weiterhin in zähen Verhandlungen über seine grüne Transformation. Klare Beschlüsse fehlen.

Technisch stabil, aber mit Luft nach unten

Auf Jahressicht liegt die Aktie mit rund 18 Prozent im Plus. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus gut zehn Prozent. Der Kurs notiert knapp sieben Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt — das spricht für einen intakten mittelfristigen Aufwärtstrend. Der RSI von 47 signalisiert weder Überkauf noch Überverkauf.

Das 52-Wochen-Hoch von 13,24 Euro liegt allerdings fast 20 Prozent entfernt. Ob der geplante Materials-Services-Börsengang einen neuen Anlauf in diese Richtung auslöst, hängt maßgeblich davon ab, wann Thyssenkrupp konkrete Eckdaten zum Listing vorlegt.