Thyssenkrupp trennt sich von einem Sorgenkind. Der Verkauf der Stahlwerk-Beteiligung HKM ist vollzogen, JPMorgan erhöht zeitgleich das Kursziel. Die Aktie klettert am Freitag um 2,43 Prozent auf 11,60 Euro.
Der HKM-Deal ist durch
Am 8. Juli 2026 unterzeichneten die Parteien die Verträge. Bereits am Donnerstag folgte das Closing. Thyssenkrupp gibt damit seine 50-prozentige Beteiligung an den Hüttenwerken Krupp Mannesmann ab.
Käufer ist der bisherige Mitgesellschafter Salzgitter. Der Konzern übernimmt zusätzlich den 20-Prozent-Anteil von Vallourec und wird damit alleiniger Eigentümer des Duisburger Stahlwerks. Marie Jaroni, CEO von thyssenkrupp Steel Europe, nennt die Lösung einen „wichtigen Meilenstein für alle Beteiligten“.
Ein Detail des Deals wiegt schwer: Der Liefervertrag zwischen HKM und thyssenkrupp Steel endet nun schon 2028. Ursprünglich sollte er bis 2032 laufen. Thyssenkrupp verkürzt damit eine langfristige Bindung um vier Jahre.
Salzgitter baut radikal um
Für den Standort Duisburg bedeutet der Eigentümerwechsel einen tiefen Einschnitt. Salzgitter will die Belegschaft bis Ende 2028 von rund 3.000 auf 1.000 Mitarbeiter reduzieren. Die Rohstahlproduktion begrenzt der Konzern künftig auf etwa 2 Millionen Tonnen im Jahr.
Gleichzeitig investiert Salzgitter in einen Elektrolichtbogenofen am Standort. Das Ziel: Die COâ‚‚-Emissionen sollen um bis zu 90 Prozent sinken. Der Umbau zu „grünem Stahl“ soll HKM langfristig wettbewerbsfähig halten.
JPMorgan sieht mehr Potenzial
Parallel zur operativen Nachricht kommt Rückenwind von der Analystenseite. JPMorgan-Analyst Dominic O’Kane hebt das Kursziel für Thyssenkrupp am heutigen Freitag von 11,80 auf 12,80 Euro an. Die Einstufung „Neutral“ bleibt allerdings bestehen.
O’Kane begründet die Anhebung mit der Lage der europäischen Stahlbranche. Für das zweite Halbjahr 2026 erwartet JPMorgan steigende Stahlpreise, gestützt durch EU-Protektionsmaßnahmen. Für die laufende Berichtssaison zum zweiten Quartal rechnet die Bank kaum mit positiven Überraschungen — die Margenentwicklung im weiteren Jahresverlauf schätzt sie aber zuversichtlicher ein.
Charttechnisch im Aufwind
Der aktuelle Kurs von 11,60 Euro liegt gut 5 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 11,00 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von knapp 20 Prozent zu Buche. Zum 52-Wochen-Hoch von 13,24 Euro aus dem Oktober 2025 fehlen der Aktie aber noch rund 12 Prozent.
Der RSI von 55,8 zeigt eine neutrale bis leicht konstruktive Marktlage, ohne Überhitzungssignale. Auffällig: Vom 52-Wochen-Tief bei 7,10 Euro im März hat sich der Kurs bereits um mehr als 63 Prozent erholt.
Neben dem Stahlgeschäft rückt auch die Marine-Tochter TKMS ins Blickfeld. Berichte über einen möglichen kanadischen Großauftrag für bis zu 12 U-Boote im Wert von rund 20 Milliarden Euro machen die Runde. Eine bereits freigegebene Bestellung von vier Fregatten der Klasse MEKO A-200 DEU im Wert von 6,3 Milliarden Euro liefert zusätzlich eine solide Auftragsbasis für die Rüstungssparte.
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