Thyssenkrupp Aktie: Materials Services im Juli zur Abstimmung

Thyssenkrupp treibt die Verselbstständigung der Milliarden-Sparte Materials Services voran. Eine außerordentliche Hauptversammlung im Sommer könnte die Weichen stellen.

Thyssenkrupp Aktie
Kurz & knapp:
  • Materials Services vor Verselbstständigung
  • Entscheidung über Spartenzukunft im Sommer
  • IG Metall kritisiert geplante KGaA-Struktur
  • Umsatzprognose leicht gesenkt

Thyssenkrupp plant den nächsten großen Schritt. Die Werkstoffhandelssparte Materials Services soll verselbstständigt werden — und die Entscheidung darüber könnte schon im Sommer fallen.

Laut Reuters-Berichten prüft der Konzern eine außerordentliche Hauptversammlung im Sommer. Einladungen könnten bereits im Juni verschickt werden. Der Termin selbst läge Ende Juli oder Anfang August. Der Aufsichtsrat hat das Thema am 20. Mai beraten und tagt im Juni erneut.

Milliarden-Sparte vor der Weggabelung

Materials Services erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2024/25 einen Umsatz von 11,4 Milliarden Euro. Mehr als 15.000 Mitarbeiter arbeiten in der Sparte, die Stahl, Kunststoffe und Logistikdienstleistungen bündelt. Nach Umsatz wäre es die größte Abspaltung in der bisherigen Konzerngeschichte.

Drei mit der Angelegenheit vertraute Personen nannten Reuters mögliche Wege: Abspaltung, Börsengang oder Verkauf. Diskutiert wird eine Struktur als Kommanditgesellschaft auf Aktien. Diese Rechtsform sichert Thyssenkrupp die operative Kontrolle — selbst bei einer Minderheitsbeteiligung.

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IG Metall kämpft gegen KGaA-Modell

Genau diese Konstruktion trifft auf harten Widerstand. Die IG Metall befürchtet, dass Arbeitnehmervertreter Mitbestimmungsrechte verlieren. Das ist kein Randthema: Die KGaA-Struktur räumt der Kapitalseite traditionell mehr Einfluss ein als eine klassische AG.

Intern wächst die Kritik am Umbaukurs von Konzernchef Miguel López. Mehrere Insider berichten, der Konzernumbau werde zunehmend radikaler vorangetrieben. Kein Wunder, dass die Gewerkschaft auf die Bremse tritt.

Zahlen, Zölle, Ausgründungen

Thyssenkrupp hat seine Umsatzprognose für 2025/26 leicht nach unten angepasst. Statt minus zwei bis plus ein Prozent erwartet der Konzern nun ein organisches Minus von drei bis null Prozent. Grund ist das schwache Marktumfeld in der Stahl- und Automobilzulieferung.

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Die Ergebnisziele bleiben unverändert. Das bereinigte EBIT soll zwischen 500 und 900 Millionen Euro liegen. Einen Nettoverlust von 400 bis 800 Millionen Euro kalkuliert das Management weiterhin ein — Restrukturierungskosten und geopolitische Risiken lasten auf dem Ergebnis.

Ab 1. Juli 2026 verschärft die EU die Stahlimport-Regeln. Die zollfreien Einfuhrquoten sinken auf 18,3 Millionen Tonnen pro Jahr — ein Rückgang um 47 Prozent gegenüber 2024. Wer die Quote überschreitet, zahlt künftig 50 Prozent Zoll statt bisher 25 Prozent. Für den europäischen Stahlmarkt ist das ein struktureller Einschnitt.

Der Umbau läuft parallel auf mehreren Spuren. Zum 1. Mai 2026 hat Thyssenkrupp Polysius seine Dekarbonisierungstechnologien in die neu gegründete Calvion GmbH ausgegliedert. Das Unternehmen mit rund 40 Mitarbeitern fokussiert sich auf Oxyfuel-Technologie und Direct Air Capture.

Sollte die außerordentliche Hauptversammlung kommen, bekommen Anleger eine konkrete Abstimmungsvorlage über die Zukunft von Materials Services. Nach dem Börsengang der Wasserstofftochter Nucera 2023 und dem Spin-off von Thyssenkrupp Marine Systems im Oktober 2025 wäre es der dritte große Schnitt — und der bislang größte.

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