Thyssenkrupp steckt mitten in einem Balanceakt. Auf der einen Seite wächst die Fantasie um einen Börsengang der Stahlsparte. Auf der anderen Seite bremst Niedrigwasser am Rhein die Produktion in Duisburg.
Die Aktie reagiert positiv auf die Spekulationen. Am Mittwoch steigt der Kurs um 2,21 Prozent auf 12,00 Euro, nach einem Schlusskurs von 11,74 Euro am Dienstag.
Stahlsparte: Börsengang als Option
Laut einem Bericht des Manager Magazins vom 15. Juli 2026 prüft Thyssenkrupp-Chef Miguel López einen Börsengang der Stahltochter Thyssenkrupp Steel Europe. Die Überlegungen stecken noch in einem frühen Stadium. Vorstand und Aufsichtsrat haben bisher keinen Beschluss gefasst.
Dennoch signalisiert die Konzernführung Bereitschaft, die Mehrheit an der Sparte abzugeben. Der Schritt folgt auf gescheiterte Gespräche mit dem indischen Konkurrenten Jindal im Mai. Das mittelfristige Ziel bleibt die vollständige Verselbstständigung der Stahlsparte, eine Minderheitsbeteiligung könnte Thyssenkrupp dabei behalten.
Der Bund gewinnt laut Medienberichten zunehmend Einfluss auf die strategischen Entscheidungen bei Thyssenkrupp, Salzgitter und SHS.
Niedrigwasser bremst Produktion in Duisburg
Am Standort Duisburg kämpft der Konzern mit einem ganz anderen Problem. Bei Kaub sinkt der Pegel des Rheins unter 50 Zentimeter. Thyssenkrupp Steel stellt deshalb am 15. Juli den Betrieb seiner eigenen Schubverbände ein.
Das Werk braucht täglich 50.000 Tonnen Rohstoffe. Um die Versorgung zu sichern, chartert das Unternehmen zusätzlich externe Binnenschiffe mit geringem Tiefgang. Diese fahren teils mit weniger als 20 Prozent ihrer Kapazität, die Frachtkosten steigen entsprechend deutlich.
In der Folge drosselt Thyssenkrupp die Hochofenproduktion leicht. Die Kundenversorgung bleibt laut Unternehmensangaben jedoch vollständig gesichert.
Kurs, Kennzahlen und Aktionärsstruktur
Charttechnisch zeigt sich die Aktie robust. Der Kurs liegt deutlich über dem 50-Tage-Durchschnitt von 11,08 Euro und dem 200-Tage-Durchschnitt von 9,95 Euro.
Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 24,07 Prozent zu Buche. Die Marktkapitalisierung beläuft sich auf 7,18 Milliarden Euro.
Zum 52-Wochen-Hoch von 13,24 Euro aus dem Oktober 2025 fehlen noch rund 9,4 Prozent. Der RSI liegt bei 60,2 und damit im neutralen Bereich.
Trotz der operativen Probleme am Rhein bleibt das Chartbild bislang intakt. Bewegung gibt es dafür im Aktionärskreis: Laut einer Stimmrechtsmitteilung vom 13. Juli reduziert der norwegische Staatsfonds seinen Anteil von 3,49 auf 3,07 Prozent. Davon entfallen 2,71 Prozent auf direkte Aktien, der Rest auf Finanzinstrumente.
Stellenabbau bei Polysius
Parallel treibt Thyssenkrupp den Umbau weiterer Tochtergesellschaften voran. Bei Thyssenkrupp Polysius in Neubeckum bestätigt der Konzern am Mittwoch den Abbau von 430 Stellen. Interessenausgleich und Sozialplan sind bereits vereinbart.
Am 7. August 2026 steht der nächste wichtige Termin an. Eine außerordentliche Hauptversammlung stimmt dann über die geplante Abspaltung des Bereichs TK Accelis ab.
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