Thyssenkrupp bekommt gleich zwei Vertrauensbeweise auf einmal. Ein großer Vermögensverwalter erhöht seine Beteiligung. Eine Bank hebt das Kursziel an. Und im Hintergrund füllt sich das Auftragsbuch der Rüstungstochter mit Milliardenverträgen.

Am Freitag legte die Aktie um 2,51 Prozent zu und schloss bei 12,24 Euro. Seit Jahresbeginn steht damit ein Plus von knapp 32 Prozent zu Buche. Der Essener Konzern treibt seinen Umbau zur Finanzholding voran, die Strategie trägt den Namen „ACES 2030″.

Amundi stockt auf, Deutsche Bank hebt Kursziel an

Der französische Vermögensverwalter Amundi hat seinen Anteil an Thyssenkrupp ausgebaut. Laut einer aktuellen Stimmrechtsmitteilung stieg die Beteiligung zum 20. Juli auf 5,06 Prozent, inklusive Instrumente. Zuvor lag der Anteil bei 4,69 Prozent.

Marktbeobachter werten den Schritt als Signal für wachsendes institutionelles Vertrauen in den Konzernumbau. Kurz darauf lieferte auch die Deutsche Bank Rückenwind. Analyst Bastian Synagowitz hob das Kursziel am 22. Juli von 14,50 auf 16,00 Euro an und bestätigte die Einstufung „Buy“.

Als Treiber nannte er zwei Punkte. Erstens das Wertsteigerungspotenzial durch die geplante Abspaltung der Werkstoffsparte tk accelis. Zweitens die starke Auftragslage im Marinegeschäft.

Marine-Sparte sammelt Milliardenaufträge

Genau dort, bei Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS), passiert derzeit einiges. Der Haushaltsausschuss des Bundestages gab am 8. Juli grünes Licht für den Bau von vier U-Jagd-Fregatten der Klasse 128. Nur acht Tage später folgte der nächste Baustein.

Der schwedische Rüstungskonzern Saab unterzeichnete einen Vertrag über rund 787 Millionen Euro. Er liefert die Führungs- und Waffeneinsatzsysteme für die neuen Schiffe. Das Geschäft zeigt, wie stark internationale Partner inzwischen an TKMS-Projekte gebunden sind.

Anfang Juli kam ein weiterer Erfolg hinzu. Die kanadische Regierung benannte TKMS als bevorzugten Lieferanten für das „Canadian Patrol Submarine Project“. Das Vorhaben umfasst bis zu zwölf U-Boote der Klasse 212CD und zählt zu den größten Rüstungsprojekten in der Geschichte Kanadas.

Klarheit bei Carlyle, offene Fragen bei der Finanzierung

Der US-Finanzinvestor Carlyle ist entgegen früherer Spekulationen derzeit nicht an Gesprächen über eine TKMS-Beteiligung beteiligt. Carlyle war bereits im Oktober 2024 aus dem Bieterprozess ausgestiegen. Diesen Stand hat der Investor seither nicht geändert.

Thyssenkrupp prüft für die Marinesparte weiterhin verschiedene Wege in die Eigenständigkeit. Auch eine staatliche Beteiligung der KfW steht im Raum. Sie soll die nötigen Investitionen für den wachsenden Auftragsbestand absichern.

Nächster Termin: Hauptversammlung im August

Die Werkstofftochter tk accelis hatte am 20. Juli auf einem Kapitalmarkttag ihre mittelfristigen Ziele konkretisiert. Sie strebt eine EBITDA-Marge von 4 bis 5 Prozent an. Über die geplante Abspaltung soll eine außerordentliche Hauptversammlung im August 2026 entscheiden.

Der aktuelle Kurs von 12,24 Euro liegt rund 22 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 10,01 Euro. Das unterstreicht den stabilen Aufwärtstrend der vergangenen Monate. Bis zum 52-Wochen-Hoch von 13,24 Euro fehlen der Aktie nur noch rund acht Prozent.