Thyssenkrupp hat einen zentralen Meilenstein seiner Neuausrichtung abgeschlossen. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung genehmigten die Aktionäre die Abspaltung des Segments Materials Services, das künftig unter dem Namen „tk accelis“ eigenständig an der Börse agiert.

Thyssenkrupp AG bleibt mit 51 Prozent Mehrheitsaktionär der neuen Gesellschaft. Aktionäre erhalten für je 20 Thyssenkrupp-Aktien eine Aktie der tk accelis Group AG & Co. KGaA.

Zwei Wochen nach diesem Beschluss reagierte die DZ Bank am Freitag mit einer deutlichen Höherstufung. Die Analysten hoben ihre Einschätzung von „Halten“ auf „Kaufen“ an und erhöhten den fairen Wert von 11,00 auf 16,00 Euro. Zur Begründung verwiesen sie auf den voranschreitenden Konzernumbau sowie auf positive Impulse für den Rohstoffsektor durch chinesische Finanzhilfen.

Zahlen bestätigen den Trend

Die Neubewertung fällt in eine Phase operativer Fortschritte. Für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 meldete Thyssenkrupp einen Umsatzanstieg von 8 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro. Das bereinigte EBIT verbesserte sich von 155 auf 183 Millionen Euro im Vorjahresvergleich.

Unter dem Strich bleibt nach neun Monaten allerdings ein Nettoverlust von 311 Millionen Euro stehen, der auf frühere Restrukturierungsrückstellungen zurückgeht.

Für das Gesamtjahr konkretisierte der Konzern seine Prognose: Der Umsatz soll zwischen 1 und 3 Prozent unter Vorjahresniveau liegen, beim bereinigten EBIT peilt das Management jedoch das obere Ende des Zielkorridors an. Parallel dazu treibt Thyssenkrupp die Portfoliobereinigung voran – im Juli wurden die Anteile an den Hüttenwerken Krupp Mannesmann an die Salzgitter AG veräußert.

Grüner Stahl unter neuen Vorzeichen

Auch beim Zukunftsprojekt grüner Stahl bewegt sich etwas. Finanzvorstand Axel Hamann bestätigte am 13. August weit fortgeschrittene Verhandlungen über eine Anpassung des drei Milliarden Euro umfassenden Finanzierungsrahmens für das Duisburger Werk, um veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen.

Ergänzend dazu passte die EU-Kommission am 20. August die rechtlichen Rahmenbedingungen für die staatliche Förderung der Direktreduktionsanlage an und genehmigte die geänderte Subventionslogik offiziell.

Zum zehnjährigen Jubiläum des Projekts „Carbon2Chem“ kündigte Thyssenkrupp zudem die Skalierung einer Technologie zur Herstellung von Sustainable Aviation Fuel aus Hüttengasen in Duisburg an – ein weiterer Baustein der Diversifizierung über das klassische Stahlgeschäft hinaus.

Nicht überall läuft es rund: Bei der Tochter Thyssenkrupp Nucera verdoppelte sich zwar der Auftragseingang in den ersten neun Monaten, doch wegen einer strategischen Neuausrichtung im Bereich der Festoxid-Elektrolyse senkte das Unternehmen seine EBIT-Prognose für das Gesamtjahr.

Kurs nahe Jahreshoch

Am Aktienmarkt spiegelt sich die Gemengelage aus Umbau-Fortschritt und operativen Herausforderungen in robuster Kursentwicklung. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 44 Prozent zu Buche, aktuell notiert das Papier nur noch 4,6 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 14,05 Euro.

Die kommenden Monate dürften zeigen, ob die Abspaltung von tk accelis und der Fortschritt beim grünen Stahl die von der DZ Bank angeführte Neubewertung rechtfertigen. Der nächste wichtige Termin ist die Veröffentlichung des Geschäftsberichts im Dezember.