ThyssenKrupp Marine Systems hat auf der dbAccess European Champions Conference in Frankfurt eine aktualisierte Investor-Präsentation vorgelegt. Der Schwerpunkt: nicht die bereits bekannten Halbjahreszahlen, sondern die Sichtbarkeit künftiger Großprojekte. Für Anleger bedeutet das eine Verschiebung der Bewertungsgrundlage — weg von der reinen Zahlenroutine, hin zur Frage, welche Kampagnen sich in feste Aufträge verwandeln.
Deutsche Fregattenprogramme im Scheinwerferlicht
Die Präsentation stellt zwei deutsche Überwasserprojekte prominent heraus: die Luftverteidigungsfregatte F127 mit acht Einheiten und gestarteter Pilotphase sowie das Projekt MEKO A-200 DEU als F126-Alternative mit mindestens vier Einheiten und Vorvertrag. TKMS führt ein Gemeinschaftsunternehmen, das als alleiniger Bieter für die F127 gilt.
Entscheidend für die Bewertung: Die Folien trennen ausdrücklich zwischen gesichertem Auftragsbestand und weiteren Kampagnen. Der potenzielle Auftrag für MEKO A200 DEU ist noch nicht im Auftragsbuch enthalten. Ein Vorvertrag oder eine Pilotphase stützen die operative Perspektive, ersetzen aber keinen vollwertigen Auftragseingang.
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Auch die U-Boot-Pipeline bleibt prominent. Für Indien nennt TKMS das Programm P-75I mit sechs plus drei Einheiten in Form von Materialpaketen, für Kanada das Canadian Patrol Submarine Project mit sieben bis zwölf Booten. Bei Kanada steht die Entscheidung über den bevorzugten Bieter noch aus.
Auftragsbestand und Marge als harter Kern
Per 31. März 2026 weist TKMS einen Auftragsbestand von rund 20,6 Milliarden Euro aus — ein neuer Rekordwert. In den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 lag der Auftragseingang bei 3,4 Milliarden Euro, der Umsatz bei 1,2 Milliarden Euro. Das bereinigte EBIT erreichte 60 Millionen Euro, die Marge 5,1 Prozent.
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Für das Gesamtjahr 2025/26 bestätigt das Unternehmen eine bereinigte EBIT-Marge von über 6 Prozent. Mittelfristig bleibt das Ziel bei über 7 Prozent Marge und rund 10 Prozent durchschnittlichem jährlichem Umsatzwachstum.
Kurs fester, Prüfstein steht bevor
Die Aktie legte am Dienstag um 1,33 Prozent auf 83,60 Euro zu. Seit Jahresanfang steht ein Plus von 20 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 100,60 Euro (22. Januar) trennen die Aktie noch 17 Prozent, vom Tief bei 57,45 Euro (24. November 2025) hat sie sich um 45 Prozent entfernt. Der RSI liegt bei 32,4 — ein Hinweis auf kurzfristig überverkaufte Niveaus.
Der nächste Prüfstein liegt in der Umwandlung der Kampagnen in feste Aufträge. Nach der dbAccess-Konferenz folgen die Deutsche Bank Defence Conference am 22. Juni in London, die Jefferies German & Swiss Corporate Conference am 24. Juni in Baden-Baden sowie die Quartalsmitteilung für Q3 am 12. August. Bis dahin bleibt die Pipeline sichtbar — die Realisierung nicht.
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