Thyssenkrupp-Aktionäre haben am Freitag auf einer außerordentlichen Hauptversammlung der Verselbstständigung der Werkstoffsparte TK Accelis zugestimmt. In der Berichterstattung zu diesem Schritt diente ausdrücklich die im Herbst 2025 vollzogene Abspaltung und Börsennotierung von TKMS als Referenzmodell für den weiteren Konzernumbau.
Für die eigenständige Marinesparte ist das eine Bestätigung von oben: Der Weg an die Börse, den Thyssenkrupp mit TKMS eingeschlagen hat, gilt im Konzern nun als Vorlage für weitere Ausgründungen.
Rückenwind durch Rheinmetall-Absage
Operativ bekommt TKMS zugleich zusätzlichen Schub aus einem Rüstungsdeal, der ursprünglich beim Wettbewerber verortet war. Rheinmetall senkte am Donnerstag seine Umsatzprognose für das Marinegeschäft um 300 Millionen Euro, nachdem die Bundesregierung das F126-Fregattenprogramm gestoppt hat.
Berichten zufolge soll die Beschaffung stattdessen auf acht MEKO-Fregatten von TKMS umgesteuert werden – ein weiterer möglicher Baustein für das ohnehin gut gefüllte Auftragsbuch der Kieler Werft.
Wie belastbar dieses Auftragsbuch bereits vor dieser Entwicklung war, hatte TKMS am 11. Mai mit den Halbjahreszahlen 2025/26 unterlegt: Der Auftragsbestand erreichte einen Rekordwert von 20,6 Milliarden Euro, während Umsatz und bereinigtes EBIT deutlich zulegten. Nicht jede Wachstumsinitiative gelingt allerdings gleich gut.
Ende Juli zog Vorstandschef Oliver Burkhard das unverbindliche Übernahmeangebot für die Werft German Naval Yards Kiel zurück, weil sich beide Seiten nicht auf die wirtschaftlichen Konditionen einigen konnten – Rheinmetall bleibt dort nun als einziger verbliebener Bieter im Prozess.
Operative Kontinuität vor den Zahlen
Für Kontinuität im Vorstand sorgt seit Mitte Mai der neue Chief Operations Officer Andreas Görgen, der planmäßig in die Führung der TKMS-Gruppe eingetreten ist. Parallel treibt das Unternehmen die digitale Modernisierung voran: Ende Juni unterzeichnete TKMS einen Vertrag mit dem KI-Unternehmen Cohere zur Implementierung einer konzernweiten, KI-gestützten Datenintegrationsplattform.
Auch im internationalen Exportgeschäft tut sich etwas – Ende Juni lief mit der „Cunha Moreira“ das dritte Schiff des brasilianischen Tamandaré-Fregattenprogramms vom Stapel.
Blick auf die Quartalszahlen
An diesem Mittwoch, dem 12. August, legt TKMS die Ergebnisse für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 vor. Analysten richten den Blick dabei vor allem auf die Auftragslage bei den MEKO-Fregatten nach der Neuausrichtung der deutschen Marinebeschaffung – also genau auf jenes Programm, das durch die Rheinmetall-Absage zusätzliche Dynamik erhalten hat.
Die Frage, die den Bericht prägen dürfte, ist weniger, ob der Auftragsbestand wächst, sondern wie schnell sich das zusätzliche MEKO-Potenzial in konkreten Verträgen niederschlägt.
An der Börse spiegelt sich die insgesamt positive Grundstimmung wider, auch wenn der Handel heute schwächer verläuft: Die Aktie notiert bei 86,70 Euro und verliert 1,48 Prozent. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 30,97 Prozent zu Buche.
Die Kombination aus einem von der Konzernmutter goutierten Börsengang, einem prall gefüllten Auftragsbuch und dem zusätzlichen Fregatten-Potenzial gibt dem Blick auf die Zahlen am Mittwoch einen klaren Referenzrahmen – Anleger dürften vor allem darauf achten, ob sich die MEKO-Dynamik schon in der Guidance niederschlägt.
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