TKMS liefert Wachstum, bestätigt die Prognose und sitzt auf einem prall gefüllten Auftragsbuch. Trotzdem hat die Halbjahresbilanz einen wunden Punkt: Der freie Cashflow ist tief ins Minus gerutscht. Genau dort entscheidet sich, wie belastbar der Rüstungsboom für das Unternehmen wirklich ist.
Die Aktie zieht am Montag auf 82,30 Euro an und liegt damit 5,24 Prozent höher; auf Wochensicht beträgt das Plus 14,46 Prozent.
Wachstum reicht nicht für Entwarnung
Im ersten Halbjahr per Ende März steigerte TKMS den Umsatz um zehn Prozent auf 1,17 Milliarden Euro. Die Nachfrage bleibt damit klar intakt.
Auch operativ ging es nach oben. Das bereinigte EBIT legte um 14 Prozent auf 60 Millionen Euro zu.
Unter dem Strich sieht das Bild schwächer aus. Der Nettogewinn fiel um 41 Prozent auf 27 Millionen Euro, vor allem wegen höherer Forschungs- und Vertriebskosten.
Noch stärker drückt der Cashflow. Der freie Cashflow lag bei minus 72 Millionen Euro, nach plus 755 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Das Management verweist auf den Projektmix. Sobald höhermargige Vorhaben anlaufen, soll sich die Lage verbessern. Bis dahin bleibt der Cashflow der zentrale Belastungsfaktor.
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Prognose hält, Atlas stützt
Für das laufende Geschäftsjahr bleibt TKMS bei seiner Planung. Der Umsatz soll um zwei bis fünf Prozent wachsen, die bereinigte EBIT-Marge soll über sechs Prozent liegen.
Mittelfristig peilt der Konzern mehr an. TKMS will im Schnitt rund zehn Prozent pro Jahr wachsen und die bereinigte Marge über sieben Prozent heben.
Ein klarer Lichtblick ist Atlas Elektronik. Die Tochter steigerte ihr operatives Ergebnis zuletzt um 73 Prozent, die Marge erreichte fast elf Prozent.
Der Auftragsbestand bleibt der große Puffer. Trotz schwächerem Auftragseingang liegt er bei 20,6 Milliarden Euro. Das verschafft Sichtbarkeit, erhöht aber den Druck auf die Produktion.
Neuer COO muss liefern
Mit Andreas Görgen hat TKMS Mitte Mai einen neuen Chief Operations Officer eingesetzt. Er übernimmt die operative Verantwortung in einer heiklen Phase.
Der Konzern baut Kapazitäten aus, während die Bücher voll sind. In Wismar investiert TKMS mehr als 200 Millionen Euro in eine hybride Produktion für U-Boote und Fregatten.
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Bis Ende 2029 sollen dort bis zu 1.500 neue Arbeitsplätze entstehen. Das ist ein klares Wachstumssignal, bindet aber Kapital und Management-Aufmerksamkeit.
Auch technologisch setzt TKMS einen Akzent. DNV erteilte dem Forschungsdemonstrator MUM ein Approval in Principle.
Nach Unternehmensangaben ist TKMS damit der erste deutsche Anbieter mit einer solchen Bestätigung für ein autonomes unbemanntes Wasserfahrzeug. Der Demonstrator ist 25 Meter lang und soll noch in diesem Jahr erstmals in See stechen.
Milliardenaufträge rücken näher
Mehrere Vergaben können die nächste Phase prägen. In Kanada erwartet TKMS eine Entscheidung über das U-Boot-Programm noch im ersten Halbjahr 2026.
Dort konkurriert der Konzern mit Hanwha Ocean aus Korea. Es geht um bis zu zwölf U-Boote.
In Deutschland steht der Haushaltsausschuss am 24. Juni 2026 vor dem F127-Programm. Das beantragte Volumen beträgt 26,2 Milliarden Euro.
TKMS gilt hier als einziger verbleibender Bieter und soll gemeinsam mit NVL bauen. In Indien laufen seit September 2025 offizielle Verhandlungen mit Mazagon Dock Shipbuilders.
Für TKMS passt vieles zusammen: volle Bücher, hohe Verteidigungsausgaben und mögliche Großaufträge. Der nächste Prüfstein ist nun die Umsetzung. Wenn der Cashflow mit den Projekten dreht, gewinnt die Wachstumsstory deutlich an Substanz.
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