Für TKMS steht bei den kanadischen U-Boot-Verhandlungen auch das begleitende Industriepaket auf dem Spiel. Laut CBC News prüft Deutschland heute die Folgen einer kleineren festen Erstbestellung für zugesagte wirtschaftliche Vorteile von 86 Mrd. Dollar. Damit geht es nicht nur um die Zahl der Boote, sondern auch um die wirtschaftlichen Bedingungen des möglichen Großauftrags.

Kanada hat TKMS und Kongsberg vorgeschlagen, zunächst 8 U-Boote fest zu bestellen und weitere 4 als spätere Option vorzusehen. Offiziell hält das Land am Ziel von bis zu 12 Booten des Typs 212CD fest. Eine vollständige feste Bestellung wäre damit aber zunächst nicht verbunden.

Weniger Bindung könnte Zusagen schwächen

Die vorgeschlagene Staffelung verschiebt den Schwerpunkt der Gespräche: Entscheidend ist, welche wirtschaftlichen Zusagen auch bei einem geringeren verbindlichen Bestellumfang Bestand hätten. Eine Option eröffnet die Möglichkeit zusätzlicher Käufe, bietet den beteiligten Unternehmen aber noch keinen fest zugesagten Gesamtumfang.

Nach Angaben von CBC News berät sich TKMS dazu mit 400 Zulieferern. Verteidigungsanalyst Dave Perry warnt vor verlorenen Skalenvorteilen, falls Kanada nicht von Beginn an die gesamte geplante Bestellung verbindlich zusagt. Auch die wirtschaftlichen Zusagen könnten darunter leiden.

Für Anleger liegt darin die wesentliche Einschränkung der Auftragschance. Die mögliche Gesamtzahl der U-Boote beschreibt nicht automatisch den Umfang eines späteren Festauftrags. Ebenso wenig lässt sich das bisher zugesagte Industriepaket unverändert voraussetzen, solange Deutschland dessen Auswirkungen prüft.

Der geschätzte Kaufpreis für die vollständige Flotte liegt laut CBC News bei 20–24 Mrd. Dollar. Diese Schätzung bezieht sich auf den gesamten geplanten Umfang und ist kein ausgewiesener Preis für die kleinere Erstbestellung.

Vertragsabschluss bleibt der entscheidende Schritt

Die Gespräche betreffen weiterhin ein Vorhaben ohne unterzeichneten Vertrag. Die vorgeschlagene Aufteilung ist deshalb weder ein abgeschlossener Teilauftrag noch eine endgültige Absage an den vollständigen Flottenumfang. Sie verändert zunächst die Grundlage der Verhandlungen.

Kanada strebt den Vertragsabschluss spätestens Ende 2027 an. Die Lieferungen sollen Mitte der 2030er beginnen und sich über mehr als zwölf Jahre erstrecken.

Parallel entstehen Strukturen für die spätere Unterstützung der Flotte. Gastops und Anschütz unterzeichneten heute auf der EURONAVAL eine Absichtserklärung für das kanadische U-Boot-Projekt. Geplant sind unter anderem Tests, Diagnostik, Schulungen und Instandhaltung sowie kanadische Infrastruktur für die Anschütz-Systeme. Die Vereinbarung baut auf Gastops’ zuvor angekündigter Zusammenarbeit mit TKMS auf.

Diese Vorbereitungen ersetzen keinen Beschaffungsvertrag. Für die Bewertung der TKMS-Auftragschance zählen daher vor allem der verbindliche Bestellumfang und die daran geknüpften industriellen Verpflichtungen. Genau diese Verbindung steht mit Kanadas Vorschlag zur erneuten Prüfung.