TKMS hat volle Bücher, bessere Ergebnisse und trotzdem ein Kursproblem. Der Grund liegt nicht im Tagesgeschäft, sondern in Kiel. Rheinmetall mischt im Bieterverfahren um German Naval Yards Kiel mit und erhöht damit den Druck auf einen strategisch wichtigen Zukauf.
Die Aktie spürt diese Unsicherheit deutlich. Am Freitag schloss sie bei 75,60 Euro und verlor 1,82 Prozent. Auf Wochensicht liegt das Minus bei 11,48 Prozent.
Kiel wird zum strategischen Engpass
TKMS hatte bereits im Januar ein unverbindliches Angebot für GNYK abgegeben. Besonders attraktiv ist das 426 Meter lange Trockendock, das für Korvetten, Fregatten und Offshore-Patrouillenfahrzeuge genutzt werden kann. Für TKMS wäre der Zukauf ein direkter Ausbau im Überwasserschiffbau.
Im Mai stieg Rheinmetall mit einem eigenen unverbindlichen Angebot ein. Der Rüstungskonzern prüft GNYK nun in einer Due Diligence. Danach könnte ein verbindliches Angebot folgen.
Das macht die Lage heikel. TKMS und GNYK teilen sich das Werftgelände in Kiel, weil beide aus der früheren HDW-Struktur hervorgingen. TKMS baut dort vor allem U-Boote, GNYK bringt Hallen sowie große Dock- und Krankapazitäten ein.
TKMS-Chef Burkhard hält an den Plänen fest. Er warnte aber vor einem ruinösen Bieterwettstreit. Genau diese Gefahr preist der Markt derzeit ein.
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Kursbild bleibt angeschlagen
Der Abstand zum Hoch vom 26. Januar beträgt inzwischen 26,53 Prozent. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 9,17 Prozent. Das zeigt, wie stark die Aktie vorher gelaufen war.
Technisch wirkt das Bild nicht stabil. Der Kurs liegt 7,08 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt, der RSI notiert bei 41,7. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 48,93 Prozent.
Kein Wunder, dass der Markt nervös reagiert. Ein höherer Preis für GNYK könnte die Logik des Deals verändern. Ein verlorenes Bieterverfahren würde dagegen eine wichtige Kapazitätsoption blockieren.
Operativ bleibt TKMS auf Kurs
Die operative Basis liefert weiter Rückenwind. Der Auftragsbestand liegt bei 20,6 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/2026 stieg der Umsatz auf 1.168 Millionen Euro.
Im Vorjahreszeitraum hatte TKMS 1.060 Millionen Euro umgesetzt. Das bereinigte EBIT kletterte auf 60 Millionen Euro. Die bereinigte Marge erreichte 5,1 Prozent.
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Für das Gesamtjahr hält der Vorstand an seinen Zielen fest. Der Umsatz soll um zwei bis fünf Prozent wachsen. Die bereinigte EBIT-Marge soll über sechs Prozent liegen.
Auch der Standort Wismar spielt in der Strategie eine größere Rolle. TKMS investiert dort mehr als 200 Millionen Euro in eine hybride Produktion. Bis Ende 2029 sollen dort 1.500 neue Arbeitsplätze entstehen.
Kanada rückt näher
Neben Kiel wartet ein zweiter Kurstreiber. Kanada will bis Ende Juni über das Canadian Patrol Submarine Project entscheiden. TKMS tritt dabei gegen Hanwha Ocean und HD Hyundai Heavy Industries an.
Der Auftrag könnte bis zu 60 Milliarden kanadische Dollar umfassen. Das deutsch-norwegische Konsortium bietet bis zu zwölf U-Boote vom Typ 212CD an. Für TKMS wäre das ein Prestigeprojekt mit langem Auslastungseffekt.
Der südkoreanische Vorschlag setzt TKMS jedoch unter Zeitdruck. Hanwha Ocean bietet vier KSS-III-Boote bis 2035 an. Das wäre laut den vorliegenden Angaben ein Jahr früher als TKMS liefern kann.
In der neuen Woche bleibt der Kurs daher an zwei Punkten hängen: dem Tempo im Kieler Bieterverfahren und der nahenden Kanada-Entscheidung. Stabile Zahlen reichen gerade nicht aus. Der Markt will sehen, ob TKMS Kapazitäten sichern und Großaufträge in bessere Margen übersetzen kann.
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