Wer künftig für sauberes Trinkwasser und die Folgen von Trockenheit zahlt, soll sich nach dem Verursacherprinzip richten. Bundesumweltminister Carsten Schneider will Pharma- und Kosmetikkonzerne verpflichten, die Hauptlast für die Beseitigung von Medikamentenrückständen im Abwasser zu tragen. Gleichzeitig nimmt der Minister Betreiber von Rechenzentren ins Visier, deren Wasserverbrauch durch den Ausbau künstlicher Intelligenz wächst.
Hersteller sollen Kläranlagen finanzieren
Bislang filtern herkömmliche Kläranlagen viele Rückstände aus Medikamenten oder Pflegeprodukten nicht heraus. Dafür ist eine zusätzliche vierte Reinigungsstufe nötig. Eine EU-Richtlinie schreibt vor, dass Pharma- und Kosmetikhersteller mindestens 80 Prozent dieser immensen Kosten übernehmen müssen.
Bis Ende Juli 2027 muss Deutschland die Vorgabe in nationales Recht umsetzen. Bislang liegt noch kein konkreter Gesetzentwurf vor. Vor dem Europäischen Gerichtshof läuft eine Klage Polens gegen die Herstellerverantwortung. Sollte die Regelung kippen, müssten voraussichtlich die Verbraucher über höhere Abwassergebühren einspringen. Schneider kündigte an, im Zweifel einen nationalen Alleingang zu wählen, um die Industrie in die Pflicht zu nehmen.
Rechenzentren geraten wegen Wasserverbrauch unter Druck
Wasser wird in Industrie und Infrastruktur zunehmend zum Streitpunkt. Schneider will auch Betreiber von Rechenzentren stärker zur Kasse bitten, wenn Wasser in Dürreperioden knapp wird. Der boomende Sektor benötigt große Mengen Wasser zur Kühlung und Stromerzeugung.
Der Minister fordert klare Anreize für sparsamere Kühltechnologien. Wenn Grundbedürfnisse der Bevölkerung mit Großverbrauchern konkurrieren, müssten gewinnstarke Betreiber entweder höhere Entgelte zahlen oder in wassersparende Systeme investieren. Umweltverbände verlangen bereits Einschränkungen für Neuansiedlungen in trockenen Regionen wie Brandenburg oder dem Rhein-Main-Gebiet.
Die Debatte markiert eine spürbare Verschiebung der Kosten. Für die betroffenen Branchen bahnen sich zusätzliche Abgaben an, während die Politik den Druck auf ressourcenintensive Geschäftsmodelle erhöht. Bis zur gesetzlichen Umsetzungsfrist im Juli 2027 wird sich klären, welche finanziellen Belastungen auf die Hersteller zukommen.


