Gerade erst hat Unilever die Verbraucher zurückgewonnen, nun droht der nächste Preisschock. Die eskalierenden Konflikte im Nahen Osten treiben die Rohstoff- und Logistikkosten massiv in die Höhe. Für den Konsumgüterriesen bedeutet das einen heiklen Balanceakt zwischen Margensicherung und drohenden Volumenverlusten. An der Börse spiegelt sich die Skepsis wider: Die Aktie notiert mit 48,59 Euro gefährlich nah an ihrem 52-Wochen-Tief.

Krieg treibt Inflation

Ursache für den Kostendruck ist der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran. Die gestörten Lieferketten treffen Unilever hart. Das Management rechnet für das laufende Jahr mit einer Kosteninflation von bis zu 900 Millionen Euro. Finanzchef Srinivas Phatak stellt klar, dass Einsparungen allein nicht ausreichen werden. Das Unternehmen wird die Preise anheben müssen.

Die Aufschläge sollen vor allem in der zweiten Jahreshälfte greifen. Im Fokus stehen erdölabhängige Haushaltsprodukte in Asien, Afrika und Lateinamerika. Dieser Schritt kommt zur Unzeit. Im ersten Quartal verzeichnete Unilever noch ein organisches Umsatzwachstum von 3,8 Prozent – angetrieben durch eine starke Nachfrage nach Kernmarken wie Dove. Nach Jahren der Preiserhöhungen kehrte das Unternehmen gerade erst zu einem volumengetriebenen Wachstum zurück.

Umbau des Portfolios

Parallel dazu treibt der Konzern seine strategische Neuausrichtung voran. Die geplante Übernahme des US-Nahrungsergänzungsmittel-Herstellers Grüns für rund 1,2 Milliarden US-Dollar wartet auf die behördliche Freigabe. Der Zukauf stärkt das margenstarke Gesundheitssegment. Auf der anderen Seite steht die Abspaltung der Lebensmittelsparte an. Die Zusammenlegung mit McCormick soll bis Mitte 2027 abgeschlossen sein und jährliche Kostensynergien von 600 Millionen US-Dollar bringen.

Ende Juli legt Unilever die Halbjahreszahlen vor. Dann muss der Vorstand belegen, ob die selektiven Preiserhöhungen ohne erneute Einbrüche beim Absatz in den Schwellenländern umsetzbar sind. Bis dahin bleibt das Marktumfeld für Investoren angespannt. Seit Jahresbeginn hat das Papier bereits über 12 Prozent an Wert verloren.