United Internet krempelt seine Konzernstruktur um. Die Glasfaser- und B2B-Tochter 1&1 Versatel wechselt für 1,3 Milliarden Euro den Besitzer – und bleibt trotzdem in der Familie. Käufer ist die ebenfalls börsennotierte 1&1 AG, an der United Internet rund 86 Prozent hält. Der Deal wurde am Freitag in Montabaur bekanntgegeben und wird zum 30. November wirksam.

Der Kaufpreis kann sich allerdings noch verändern. Abhängig von der Geschäftsentwicklung von 1&1 Versatel in den Jahren 2027, 2028 und 2029 sind Anpassungen von bis zu 300 Millionen Euro nach oben oder unten möglich. Fällig würde ein solcher Betrag erst 2030.

Kein frisches Geld für United Internet

Liquide Mittel fließen United Internet aus dem Geschäft nicht zu. Der Kaufpreis wird mit Gegenforderungen von 1&1 sowie der Gewährung von Gesellschafterdarlehen verrechnet. 1&1 Versatel bleibt zudem mit 950 Millionen Euro Darlehensverbindlichkeiten gegenüber United Internet belastet – dieses Darlehen wird künftig durch eine Garantie der 1&1 AG abgesichert.

Die Jahresprognose 2025 von United Internet bleibt von der Transaktion unberührt. Auch auf die Kennziffern von 1&1 ergeben sich keine wesentlichen Auswirkungen. Beide Unternehmen betonen die Vereinfachung der Konzernstruktur durch die Bündelung des gesamten Telekom-Geschäfts bei 1&1.

Was bringt der Deal für 1&1?

1&1 übernimmt mit Versatel ein bundesweites Glasfasernetz und ein starkes B2B-Geschäftssegment. Das Unternehmen verfügt damit über die benötigte Infrastruktur für Festnetz und Mobilfunk. Der weitere Ausbau des Versatel-Glasfasernetzes wird allerdings zunächst belasten: Für 2026 und 2027 rechnet 1&1 mit einem negativen Beitrag zum freien Mittelfluss von insgesamt rund 100 Millionen Euro. Erst danach soll Versatel positiv zum Cashflow beitragen.

Wie reagiert die UBS?

Die Schweizer Großbank UBS sieht in dem Deal kaum Auswirkungen auf die Bewertung. Analyst Polo Tang bestätigte am Montag sein Kursziel von 33 Euro und die Einstufung „Buy“. Der Schritt vereinfache die Struktur und schränke weder den Aufbau eines eigenen Mobilfunknetzes noch Möglichkeiten zur Branchenkonsolidierung ein.

Die Börse zeigte sich zunächst positiv gestimmt. Nachbörslich via Tradegate legte die United Internet-Aktie um 3,46 Prozent auf 24,52 Euro zu. Die 1&1-Papiere gewannen 3,54 Prozent auf 21,95 Euro.