Am Freitag verzeichnete der VanEck Semiconductor UCITS ETF einen Kursrückgang von 2,7 % und schloss bei 89,88 Euro. Damit weitete sich der Ausverkauf im Chipsektor deutlich aus, während Anleger zunehmend die ökonomische Sinnhaftigkeit und die hohen Kosten der massiven Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) hinterfragen. Die Sorge wächst, dass die Erträge aus der KI-Infrastruktur nicht schnell genug mit den enormen Ausgaben Schritt halten könnten.
Wachsende Zweifel an Rentabilität von Rechenzentren
Die jüngste Schwächephase wird durch eine zunehmende Skepsis gegenüber dem KI-Boom getrieben. Laut Berichten der Nachrichtenagentur AP belastete vor allem die Frage nach der Dauerhaftigkeit des Infrastrukturausbaus die Stimmung. Der Philadelphia Semiconductor Index (SOX) verlor am Freitag 3,83 %. Einzelwerte wie Advanced Micro Devices (AMD) büßten rund 6 % ein, während Intel und Micron Technology Verluste von mehr als 5,5 % hinnehmen mussten.
Parallel dazu sorgten Kommentare aus der Branche für Verunsicherung. Reuters berichtete, dass Broadcom-CEO Hock Tan die derzeitigen Investitionen im KI-Sektor mit „Casinospielen“ verglichen habe.
Auch bei Applied Materials reagierten die Marktteilnehmer empfindlich: Nachdem das Unternehmen Pläne für ein 5 Milliarden US-Dollar teures Forschungszentrum im Silicon Valley bekannt gegeben hatte, gaben die Aktien laut Medienberichten nach. Investoren zeigen sich derzeit äußerst sensibel gegenüber hohen Kapitalbindungen im Zusammenhang mit KI-Projekten.
Makroökonomischer Gegenwind und Konkurrenzdruck aus China
Zusätzlich zum sektorspezifischen Druck belastet das allgemeine Marktumfeld die Halbleiterwerte. Die Analysten von Morningstar wiesen darauf hin, dass eine unerwartet hohe US-Inflation die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen befeuert habe.
Höhere Kreditkosten könnten insbesondere die schuldenfinanzierten Investitionen in die KI-Infrastruktur erschweren. Schwab Network identifizierte zudem steigende Ölpreise und eine allgemein zunehmende Volatilität als Belastungsfaktoren für den Sektor.
Neben den makroökonomischen Sorgen rückt der Wettbewerb wieder stärker in den Fokus. Laut Reuters sorgten Berichte über technologische Fortschritte des chinesischen Herstellers CXMT bei Speicherchips für Unruhe. Der Fortschritt bei einer neuen Architektur für Speicherzellen könnte den Wettbewerbsdruck auf etablierte westliche Unternehmen erhöhen.
Durch die jüngste Abwärtsbewegung hat sich der Abstand zum bisherigen Jahreshöchststand deutlich vergrößert. Der VanEck Semiconductor UCITS ETF notiert nach den jüngsten Abgaben nun 19 % unter seinem 52-Wochen-Hoch. Damit spiegelt der Kursverlauf die aktuelle Phase der Neubewertung wider, in der der Markt die hohen Wachstumserwartungen der vergangenen Monate gegen reale Finanzierungskosten und Wettbewerbsrisiken abwägt.
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