Vier Wochen Ausverkauf, dann die Kehrtwende. Der VanEck Semiconductor UCITS ETF schloss am Montag bei 92,79 Euro und legte 0,69 Prozent zu. Chiphersteller erholten sich breit, nachdem die Branche zuvor in einen echten Bärenmarkt gerutscht war.
Vier Wochen im freien Fall
Was hinter dem Fonds liegt, war brutal. Der Philadelphia SE Semiconductor Index schloss am Freitag mehr als 20 Prozent unter seinem Rekordhoch von Ende Juni. Damit war die Bärenmarkt-Schwelle offiziell gerissen.
Der Auslöser kam aus Taiwan. Taiwan Semiconductor hob seine Investitionsprognose deutlich an, auf 60 bis 64 Milliarden Dollar für das laufende Jahr. Zuvor hatte der Konzern noch 52 bis 56 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Anleger werteten den Sprung als Warnsignal: Steigende Ausgaben können auch bedeuten, dass die Erträge aus früheren Investitionen langsamer fließen als gedacht.
Die Verkaufswelle verschärfte sich zum Wochenschluss noch einmal. Der chinesische KI-Anbieter Moonshot AI stellte ein neues Modell vor, das nach eigenen Angaben zu den führenden US-Systemen aufschließt. Die Nachricht drückte den ETF an einem einzigen Handelstag um mehr als 4 Prozent nach unten und ließ Anleger an der Bewertung der gesamten KI-Rally zweifeln.
Warum die Erholung jetzt kommt
Trotz eskalierender Spannungen im Nahen Osten – die USA flogen bereits den zehnten Angriffstag in Folge gegen Ziele im Iran – drehte der Sektor am Montag ins Plus. Der Philadelphia-Index legte 2,11 Prozent zu, deutlich mehr als Nasdaq Composite und S&P 500.
Speicherchip-Hersteller führten die Erholung an. Micron Technology gewann 5,7 Prozent, SanDisk sogar 6 Prozent. Auch Broadcom zog um 3,4 Prozent an.
Analysten sehen in erster Linie technische Gründe für den Umschwung. Nasdaq-100 und Halbleiterindex galten als überverkauft, eine Gegenbewegung war überfällig. Der Derivate-Research-Chef von Schwab verwies zudem auf die anstehenden Quartalszahlen von Alphabet – starke Investitionssignale dort könnten die Erholung zusätzlich stützen.
Die Zahlen sprechen für den Sektor
Unter der Volatilität bleibt das fundamentale Bild intakt. Halbleiterunternehmen sollen laut Schätzungen 44 Prozent des gesamten Gewinnwachstums im S&P 500 in diesem Quartal beisteuern. Die Gewinne der Branche selbst dürften im Jahresvergleich um 133 Prozent steigen.
Der Blick auf den Chart zeigt trotzdem, wie tief der Fall war. Der ETF notiert aktuell rund 16,5 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 111,18 Euro, das er erst Ende Juni erreicht hatte. Der RSI von 42,9 signalisiert dabei weder überkauft noch überverkauft – der Markt sucht offenbar noch seine Richtung.
Große Woche für Big Tech
Diese Woche liefert reichlich Gelegenheit, die Richtung zu klären. Alphabet, Intel und Texas Instruments legen ihre Zahlen vor, Nvidia folgt erst Ende August. Die Wall Street hat ihre Erwartungen an Alphabet, Intel, IBM und Tesla zuletzt angehoben – Investoren wollen sehen, ob sich die enormen KI-Investitionen der Konzerne endlich in Umsatz übersetzen.
Der VanEck-Fonds selbst bündelt dieses Spannungsfeld wie kaum ein anderes Produkt. Seine größten Positionen – Nvidia, Taiwan Semiconductor, Broadcom und Micron – schwanken seit Wochen im Takt zwischen KI-Euphorie und Bewertungssorgen. Genau diese Konzentration hat die jüngsten Ausschläge nach oben wie nach unten verstärkt.
Strategen werten den Montag als vorsichtiges Stabilisierungssignal, nicht als endgültige Wende. Ob der ETF den Sprung zurück über seinen 50-Tage-Durchschnitt von 97,34 Euro schafft, dürfte sich an den Ausgaben-Kommentaren von Alphabet und den anderen Tech-Riesen in dieser Woche entscheiden.
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