Ein Wochenplus von über sechs Prozent — das schafft der VanEck Semiconductor UCITS ETF nicht oft. Zum Freitagsschluss notierte der Fonds bei 107,06 Euro und steht damit nur 1,78 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 109,00 Euro. Die Jahresperformance liegt bei fast 95 Prozent. Wer vor zwölf Monaten einstieg, hat seinen Einsatz nahezu verdreifacht.
TSMC und Intel als Wochentreiber
Den stärksten Impuls lieferte TSMC, die zweitgrößte Position im ETF mit einem Gewicht von 9,15 Prozent. Die US-notierten Aktien des Chipfertigers legten 6,9 Prozent zu — mehr als Nvidia mit 3,0 Prozent. Hintergrund: Ein vorläufiges US-Iran-Abkommen dämpfte Inflationssorgen. Taiwan hob seine Wachstumsprognose für 2026 an.
Intel lieferte den zweiten Schub. Die Aktie sprang 10,6 Prozent auf 133,99 Dollar, nachdem Präsident Trump ankündigte, Apple werde mit Intel bei US-Chip-Design und -Produktion kooperieren. Weder Apple noch Intel bestätigten konkrete Details. Analysten bewerten den Deal unterschiedlich — Intels Kurssprung überflügelte jedenfalls AMDs Plus von 4,9 Prozent deutlich.
Die fünf größten Positionen im ETF zeigen, wie konzentriert das Portfolio auf diese Wochentreiber ausgerichtet ist:
- Nvidia: 14,17 %
- TSMC: 9,15 %
- Micron Technology: 8,06 %
- AMD: 7,46 %
- Intel: 7,44 %
Taiwans Wirtschaft wächst so schnell wie seit 48 Jahren nicht
Makrodaten aus Taiwan verstärkten die Stimmung zusätzlich. Das BIP-Wachstum im ersten Quartal 2026 wurde auf 14,55 Prozent revidiert — der schnellste Quartalswert seit fast 48 Jahren. Für das Gesamtjahr erwartet Taiwan ein Plus von 9,64 Prozent gegenüber dem Vorjahr, das wäre das höchste Tempo seit 2010.
Treiber ist die KI-Nachfrage. TSMC profitiert direkt davon: Das Management erwartet für das laufende Jahr ein Umsatzwachstum von über 30 Prozent. Nvidia, mit gut 14 Prozent die größte ETF-Position, erzielte im Geschäftsjahr 2026 einen Umsatz von 215,9 Milliarden Dollar — ein Anstieg von 65 Prozent. Broadcom, rund sechs Prozent des Fonds, meldete im zweiten Quartal KI-Halbleitererlöse von 10,8 Milliarden Dollar, ein Plus von 143 Prozent.
Erholung nach dem Juni-Schock
Die Wochengewinne bekommen ihren vollen Kontext erst durch den Blick zurück. Am 5. Juni brach der PHLX-Halbleiterindex um zehn Prozent ein — der schwerste Tagesverlust seit März 2020. Auslöser war Broadcoms KI-Umsatzprognose für das dritte Quartal: 16 Milliarden Dollar, während Analysten rund 17,2 Milliarden erwartet hatten. Rund 1,3 Billionen Dollar Börsenwert verschwanden an einem Tag.
Die Erholung seitdem verlief bemerkenswert schnell. Seit Ende März legte der Nasdaq Composite 28 Prozent zu, der S&P 500 18,8 Prozent. Der VanEck Semiconductor ETF übertraf beide Indizes klar.
Technisches Bild bleibt konstruktiv
Der RSI liegt bei 65,4 — bullish, aber noch nicht überkauft. Der 50-Tage-Durchschnitt bei 86,57 Euro liegt fast 24 Prozent unter dem aktuellen Kurs. Der 200-Tage-Durchschnitt bei 62,52 Euro verdeutlicht, wie stark der Sektor in den vergangenen zwölf Monaten neu bewertet wurde.
Das unmittelbare Kursziel ist klar: das 52-Wochen-Hoch bei 109,00 Euro. Gelingt der Sprung darüber, wäre das ein neues Allzeithoch für den Fonds, der mit einem Gesamtvermögen von 9,4 Milliarden Dollar und einer Kostenquote von 0,35 Prozent Europas erster UCITS-ETF mit reinem Halbleiter-Fokus ist.
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