Der VanEck Semiconductor UCITS ETF steht heute bei 96,99 Euro und legt damit 1,1 Prozent zu. Der Fonds bündelt die großen Namen der Chipbranche und spiegelt damit direkt, wie sehr der Sektor derzeit zwischen Euphorie und Korrekturangst schwankt.

Rekordumsätze treiben den Sektor

Die globalen Halbleiterverkäufe wuchsen im zweiten Quartal 2026 um 33,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal und liegen damit den 16. Monat in Folge im Plus. Die Semiconductor Industry Association rechnet für das Gesamtjahr mit einem Marktvolumen von über 1,5 Billionen Dollar.

Das Analysehaus Omdia hat seine Wachstumsprognose für den Halbleitermarkt 2026 zuletzt sogar auf plus 94,1 Prozent im Jahresvergleich angehoben, getrieben vor allem durch Speicherchips, die inzwischen mehr als die Hälfte des Umsatzes ausmachen.

Diese Dynamik zeigt sich auch bei einzelnen Schwergewichten im ETF. Taiwan Semiconductor Manufacturing meldete für Juli ein Umsatzplus von 44,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr und will die Fabrik in Arizona um zusätzliche 100 Milliarden Dollar auf eine Gesamtinvestition von 265 Milliarden Dollar ausbauen.

Auch bei Speicherherstellern brummt das Geschäft: Laut dem koreanischen Analysehaus KB Securities dürfte der operative Gewinn von Samsung und SK Hynix zwischen 2025 und 2027 mehr als das Zehnfache erreichen, bei Forward-Kurs-Gewinn-Verhältnissen von nur 3,7 beziehungsweise 3,2 für 2027.

Korrektur im Halbleiterindex belastet die Stimmung

Gleichzeitig sorgt eine deutliche Korrektur im US-Philadelphia-Halbleiterindex SOXX für Nervosität, der zuletzt 25 Prozent von seinen Hochs verloren hat – gehebelte Chip-ETFs verzeichneten laut Berichten sogar Einbrüche von 62 Prozent.

Analysten stufen die Bewegung als klassische Spätzyklus-Korrektur ein, zumal parallel weiter neue Großaufträge geschlossen werden: GlobalFoundries vereinbarte eine Partnerschaft mit dem US-Handelsministerium im Rahmen des CHIPS-Acts, AMD kooperiert mit Cerebras bei KI-Beschleunigern, und Nvidia hat mit SK Hynix neue Lieferverträge für KI-Beschleuniger unterzeichnet.

Der Starinvestor Michael Burry warnte zudem vor einer ungewöhnlich langen Phase ohne größere Kurseinbrüche an den Märkten – nach seinen Angaben die längste Ruhephase seit 30 Jahren – und zog Vergleiche zu den Marktphasen von 1987 und dem Höhepunkt der Dotcom-Blase. Er sieht die Dominanz von KI-Mega-Caps wie Nvidia, Micron oder Tesla sowie den Einfluss passiver Indexfonds als Risikofaktoren für erhöhte Volatilität.

Was das für Anleger bedeutet

Der ETF notiert derzeit knapp unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 97,42 Euro, während der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 111,18 Euro noch 13 Prozent beträgt. Der Fonds bleibt damit im Spannungsfeld zwischen fundamental starken Geschäftszahlen der Branchenschwergewichte und der Sorge vor einer überhitzten Bewertung nach der jüngsten Rally.

Die Kombination aus Rekordnachfrage bei KI-Chips und der jüngsten Indexkorrektur macht den Sektor zu einem der volatilsten Themen am Markt – mit entsprechenden Chancen und Risiken für Anleger, die über den ETF breit gestreut in die Branche investiert sind.