Weniger Wasser, weniger Strom, weniger Gewinn. Für Verbund ist die anhaltende Trockenheit kein abstraktes Wetterphänomen — sie trifft direkt ins Geschäftsmodell.

Wasserführung bricht ein

Die Alpenwasserführung lag seit April rund 43 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Das kostet Verbund schätzungsweise 1,7 Terawattstunden Produktion. Laufwasserkraftwerke haben zwar niedrige Betriebskosten — aber nur, wenn Wasser fließt. Fehlt die Menge, lässt sich das strukturelle Kostenvorteile nicht ausspielen.

Das erste Quartal 2026 zeigt, wie stark das durchschlägt. Das EBITDA sank um 26 Prozent auf 534,6 Millionen Euro. Das Konzernergebnis fiel sogar um 32 Prozent auf 269,8 Millionen Euro. Neben der schwachen Wasserführung drückten fallende Großhandelspreise auf die Marge. Die Übergewinnsteuer bleibt indes aktiv: Sie greift bei Erlösen über 90 Euro je Megawattstunde mit einem Abschöpfungssatz von 95 Prozent.

Spanien wächst, Wien verliert einen CFO

Verbund baut parallel seine Solarenergie- und Windkraftkapazitäten in Südeuropa aus. In Spanien nahm das Unternehmen Projekte mit 78 Megawatt in Betrieb. Das dortige Portfolio wächst damit auf 707 Megawatt — ein klares Signal, die Abhängigkeit von der heimischen Hydrologie zu reduzieren.

Ausgerechnet jetzt verlässt Finanzvorstand Peter Kollmann das Unternehmen. Er legte im Mai 2026 sein Mandat nieder, um zu einem internationalen Bankinstitut zu wechseln. Ein Nachfolger steht noch nicht fest.

Kurs unter Druck, Dividende im Blick

Die Aktie notiert bei 59,90 Euro — rund 13 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 69,00 Euro. Auf Monatssicht verlor sie über sieben Prozent. Kein Wunder: Analysten senkten ihre Kursziele, und die Erzeugungslage bessert sich nicht.

Für das Geschäftsjahr 2025 beschloss Verbund eine Dividende von 3,15 Euro je Aktie — zusammengesetzt aus 2,00 Euro Basisdividende und 1,15 Euro Sonderdividende. Ob dieses Niveau für 2026 haltbar ist, hängt maßgeblich davon ab, ob die Wasserführung in den Sommermonaten wieder Richtung Normalwert dreht. Die aktuellen Jahresprognosen setzen genau das voraus.