Der KI-Boom erreicht die physische Ebene. Während Chip-Hersteller oft im Fokus stehen, profitieren Infrastruktur-Spezialisten wie Vertiv massiv von der steigenden Rechenlast. Der Konzern sitzt mittlerweile auf einem Rekord-Auftragsbestand von rund 15 Milliarden Dollar. Das entspricht einer Verdopplung innerhalb eines Jahres.

Kühltechnik als Engpassfaktor

Die Investitionen in künstliche Intelligenz verschieben sich. Experten schätzen, dass Kühl- und Stromsysteme mittlerweile 75 Prozent der Ausgaben für die KI-Infrastruktur ausmachen. Nur das restliche Viertel entfällt auf die Prozessoren selbst. Der Grund liegt im extremen Energiebedarf der Server-Racks.

Bisher benötigten Standard-Racks rund 140 Kilowatt. Moderne KI-Anwendungen treiben diesen Bedarf auf 300 Kilowatt. Vertiv arbeitet parallel dazu bereits an Lösungen für die Megawatt-Klasse. Diese technische Hürde sichert dem Unternehmen eine starke Marktposition.

Wachstumssprung in Amerika

Die jüngsten Geschäftszahlen belegen diese Dynamik. Der Umsatz kletterte um 30,1 Prozent auf 2,65 Milliarden Dollar. Besonders kräftig legte das Geschäft in Amerika zu. Dort meldete Vertiv ein Plus von 44 Prozent.

Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg zeitgleich um 83 Prozent auf 1,17 Dollar. Damit übertraf das Unternehmen die Erwartungen deutlich. Um die Kapazitäten zu erweitern, eröffnete der Konzern ein Werk in Malaysia. Dazu stärkt die Übernahme von ThermoKey das Geschäft in Europa.

Hohe Bewertung trifft Volatilität

Analysten bewerten die Aktie derzeit mehrheitlich als moderaten Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 342 Dollar. Die Marktkapitalisierung erreicht damit umgerechnet etwa 109 Milliarden Euro.

An der Börse reflektiert der Kurs diese Erwartungen. Trotz eines leichten Rücksetzers am Freitag auf 280,40 Euro liegt die Aktie seit Jahresbeginn rund 87 Prozent im Plus. Die Zwölf-Monats-Performance erreicht sogar 171,65 Prozent.

Die Volatilität bleibt hoch, was zuletzt wöchentliche Kursschwankungen von 18 Prozent zeigten. Aktuell notiert das Papier etwa 43 Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt. Für das Gesamtjahr 2026 peilt der Vorstand einen Umsatz von 13,75 Milliarden Dollar an. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll zwischen 6,30 und 6,40 Dollar liegen.

In der kommenden Woche rücken makroökonomische Daten in den Fokus. Die Veröffentlichung der US-Verbraucherpreise dürfte die Stimmung im Technologiesektor beeinflussen. Investoren warten derweil auf die Q2-Zahlen im Spätsommer, um die operative Marge von zuletzt 20,8 Prozent zu prüfen.