Starke Nachfrage, schwache Kurse. Bei Vincorion klaffen Realität und Börsenstimmung aktuell weit auseinander. Am Mittwoch rutschte das Papier um über fünf Prozent auf 16,23 Euro ab.

Damit notiert der Rüstungszulieferer wieder unter seinem Ausgabepreis von 17 Euro. Vom Rekordhoch im Mai hat die Aktie mittlerweile fast ein Drittel an Wert verloren. Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren.

Bitterer Index-Einstand

Am 22. Juni rückte Vincorion offiziell in den SDAX auf. Indexfonds mussten die Papiere kaufen. Ein nachhaltiger Kursschub blieb jedoch aus. Im Gegenteil. Die Aktie verlor seit der Aufnahme weiter an Boden.

Ein Hauptgrund für die Skepsis liegt in der Kasse. Im ersten Quartal verbrannte das Unternehmen operativ rund sieben Millionen Euro. Das Management begründet diesen negativen Cashflow mit hohen Vorlaufkosten. Vincorion baut derzeit seine Fertigungslinien in drei deutschen Werken massiv aus.

Volle Auftragsbücher

Operativ läuft es für das Unternehmen eigentlich rund. Der Umsatz kletterte zum Jahresstart um 40 Prozent. Das bereinigte Betriebsergebnis erreichte gut zwölf Millionen Euro.

Der Auftragsbestand türmt sich auf 1,2 Milliarden Euro. Damit hat das Management bereits mehr als 90 Prozent der angestrebten Jahreserlöse sicher. Ein wichtiger Treiber ist ein laufender Rahmenvertrag mit der NATO. Dieser umfasst die Modernisierung von PATRIOT-Luftabwehrsystemen.

Auch auf der jüngsten Eurosatory-Messe in Paris sammelte der Konzern Pluspunkte. Vincorion präsentierte sein SENTINEL-Projekt. Das Unternehmen liefert leistungsstarke Generatoren für einen europäischen Verteidigungsfonds. Erste Tests laufen bereits an der Bundeswehr-Universität.

Die Gefahr im Herbst

Ein strukturelles Risiko bremst die Kursfantasie. Der Finanzinvestor STAR Capital hält knapp die Hälfte aller Anteile. Diese Aktien sind vertraglich bis zum Herbst gesperrt. Analysten befürchten einen großen Abverkauf nach Ablauf dieser Frist. Dieser drohende Überhang lastet schwer auf dem Kurs.

Die nächste Bewährungsprobe folgt am 12. August mit dem Halbjahresbericht. Der Vorstand muss dann einen klaren Turnaround beim freien Cashflow nachweisen. Gelingt das, schwächt dies das Lock-up-Risiko ab und stützt die Jahresprognose von rund 300 Millionen Euro Umsatz.