Starke Auftragsbücher, schwache Kurse. Bei Vincorion klaffen Realität und Stimmung derzeit weit auseinander. Während das Unternehmen auf der Rüstungsmesse Eurosatory in Paris neue Technologie präsentiert, hinkt die Aktie hinterher. Auf Monatssicht verlor das Papier elf Prozent an Wert.

Neue Technologie für das Feld

In Paris zeigt Vincorion aktuell ein unbemanntes Bodenfahrzeug. Der Rüstungskonzern kooperiert dafür mit dem bayerischen Start-up ReactiveDynamics. Der Partner liefert die Bodendrohne RDX1 für den Truppenschutz. Vincorion steuert die passende Energieinfrastruktur bei. Das Unternehmen entwickelt diese mobile Ladetechnik im Auftrag der Bundeswehr.

Das System lädt das vollelektrische Fahrzeug direkt im Feld auf. Die Drohne erreicht dabei bis zu 80 Stundenkilometer. Sie bewältigt zudem extreme Steigungen in schwierigem Gelände. Die modularen Energiesysteme leisten je nach Konfiguration zwischen 20 Kilowatt und einem Megawatt.

Starkes Fundament, dunkle Wolken

Operativ läuft das Geschäft auf Hochtouren. Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 40 Prozent. Das bereinigte Betriebsergebnis kletterte auf 12,4 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr peilt der Vorstand bis zu 320 Millionen Euro Umsatz an.

Ein starkes Fundament. Dennoch notiert die Aktie mit 16,73 Euro fast 30 Prozent unter ihrem Jahreshoch. Der Grund liegt in der Aktionärsstruktur. Der Private-Equity-Investor STAR Capital hält knapp die Hälfte aller Anteile. Diese Aktien unterliegen bis Herbst einer Sperrfrist. Marktbeobachter befürchten danach einen massiven Blockverkauf. Das drückt spürbar auf die Stimmung.

Index-Aufstieg bringt Liquidität

Zum Wochenstart rückt Vincorion in den SDAX auf. Physisch replizierende ETFs müssen die Aktie nun kaufen. Diese Umschichtungen dürften die Handelsliquidität deutlich erhöhen. Das Management schließt derweil Kapitalerhöhungen aus. Den Kapazitätsausbau finanziert der Konzern komplett aus dem operativen Cashflow.

Der nächste Meilenstein steht bereits fest. Am 13. August veröffentlicht Vincorion die Zahlen für das zweite Quartal. Bis dahin müssen Anleger abwägen. Das starke operative Wachstum trifft auf das strukturelle Risiko des nahenden Lock-up-Endes.