Die Geschäfte laufen auf Hochtouren, die Auftragsbücher quellen über. Dennoch schicken Anleger die Vincorion-Aktie massiv auf Talfahrt. Nach der rasanten Rallye seit dem Börsengang im März dominieren nun Gewinnmitnahmen das Bild.

Allein in den vergangenen sieben Tagen verlor das Papier gut zwölf Prozent. Am Montag schloss der Titel bei 19,42 Euro. Damit rückt das Rekordhoch von Anfang Mai vorerst in weite Ferne.

Ein technisches Detail fällt auf. Der Relative-Stärke-Index steht aktuell bei 22,1. Dieser Wert signalisiert einen stark überverkauften Zustand. Marktbeobachter werten den aktuellen Verkaufsdruck daher primär als normale Marktkorrektur.

Volle Kassen dank Leopard 2

Operativ liefert der Rüstungszulieferer verlässliche Zahlen. Der Auftragsbestand kletterte im ersten Quartal auf rund 1,2 Milliarden Euro. Das Management rechnet im laufenden Jahr mit einem Umsatz von bis zu 320 Millionen Euro. Mehr als 90 Prozent dieses Ziels sind bereits rechtlich gesichert.

Ein zentraler Treiber ist das Segment der Fahrzeugsysteme. Der Umsatz sprang hier im ersten Quartal um über 60 Prozent auf 35,4 Millionen Euro. Vincorion profitiert massiv von der Nachfrage nach Waffenstabilisierungssystemen für den Leopard-2-Panzer. Bei vielen dieser Systeme agiert der Konzern als Alleinlieferant. Diese Marktstellung schafft eine extrem hohe Hürde für mögliche Wettbewerber.

Expansion in neue Bereiche

Parallel dazu baut das Unternehmen sein Geschäft mit der Energieversorgung aus. Im EU-Projekt SENTINEL entwickelt Vincorion moderne Batteriesysteme für Truppen im Feld. Auch diese Sparte legte zuletzt beim Umsatz deutlich zu.

Die operative Marge lag im ersten Quartal bei 18 Prozent. Das Management peilt für das Gesamtjahr weiterhin einen Wert zwischen 18 und 19 Prozent an. Höhere Kosten für den Produktionshochlauf drückten zuletzt noch leicht auf die Profitabilität.

Am 13. August präsentiert Vincorion den Zwischenbericht für das erste Halbjahr. Dieser Termin liefert konkrete Fakten zur weiteren Margenentwicklung. Dann bewertet der Markt auch, wie schnell das Unternehmen sein aktuelles Cashflow-Defizit abbaut.