In Frankreich hat gerade ein Computerprogramm selbstständig eingekauft — und die Zahlung lief über eine echte Kreditkarte. Was nach Zukunftsmusik klingt, ist ab sofort Realität: Cleverbridge hat die erste Passkey-authentifizierte Zahlung eines KI-Agenten im französischen Live-Betrieb abgeschlossen, gemeinsam mit Visa und Revolut.

Ausgelöst wurde der Kauf von Visas Testagenten „My Agent“. Cleverbridge erkannte ihn über das Trusted Agent Protocol als autorisierten Akteur, ein Visa Payment Passkey bestätigte die Transaktion, Revolut gab die Zahlung auf einer französischen Verbraucherkarte frei. Damit greift das Setup automatisch auch die europäischen Vorgaben zur starken Kundenauthentifizierung auf.

Vom Testlabor in den echten Handel

Bereits im Juli hatte Cleverbridge das Trusted Agent Protocol samt Agentic Directory in der eigenen Umgebung aktiviert. Der jetzige Schritt bringt die Technologie erstmals mit einer regulären Verbraucherkarte in den Live-Handel.

Nach Darstellung von Visa sollen Passkeys dabei zwei Dinge gleichzeitig leisten: Kunden vor Fehlkäufen ihrer Agenten schützen und Händler vor Chargeback-Ansprüchen absichern, die aus KI-gesteuerten Transaktionen entstehen könnten.

Die technische Basis liefert Visa Intelligent Commerce, das auf der bestehenden Zahlungsinfrastruktur des Konzerns aufsetzt. Cleverbridge-CEO Richard Stevenson betonte, dass ein solches System nur funktioniert, wenn der Händler weiß, mit welchem Agenten er es zu tun hat, und die Bank des Kunden die Kontrolle über die Zahlung behält.

Für Visa reiht sich der Testlauf in eine Serie von Vorstößen im Bereich agentenbasierter Zahlungen ein. Der Konzern positioniert sich damit früh in einem Feld, das noch am Anfang steht, aber langfristig neue Volumina in bestehende Zahlungsnetzwerke lenken könnte — vorausgesetzt, Handel und Banken vertrauen den Kontrollmechanismen bei automatisierten Käufen.

Cleverbridge arbeitet nach eigenen Angaben im Rahmen des „Agentic Ready“-Programms weiter mit Visa zusammen, um festzulegen, wie verifizierte Agenten künftig im Handel erkannt und gesteuert werden. Ein flächendeckender Rollout über weitere Länder und Händler ist bislang nicht terminiert.