Visa testet erstmals live, ob KI-Agenten Geschäftsrechnungen selbstständig bezahlen können. Gemeinsam mit den Finanzplattformen BILL und Billtrust läuft seit heute ein Pilotprojekt, das eine der letzten manuellen Hürden im B2B-Zahlungsverkehr beseitigen soll.

Wie der Pilot funktioniert

Bislang scheitert die Automatisierung oft am Lieferantenportal. Dort muss meist ein Mitarbeiter von Hand Zahlungsdaten eintippen, weil die Portale menschliche Authentifizierung verlangen. Genau hier setzt das Projekt an.

Der BILL-Zahlungsagent ist über Visas „Trusted Agent Protocol“ registriert und nutzt tokenisierte Zahlungsdaten. Billtrust erkennt den Agenten über dasselbe Protokoll und gewährt ihm Zugang. Das ersetzt Schutzmechanismen wie CAPTCHAs, ohne dass Lieferanten Logins weitergeben müssen. Der Agent entscheidet dabei nichts selbst: Er führt nur Zahlungen aus, die der Käufer bereits freigegeben hat.

Visa-Manager Mark Nelsen spricht von einem realen B2B-Problem, an dem man Identität, Zahlungskontrollen und Transparenz teste. Der Pilot verarbeitet nach Unternehmensangaben bereits Transaktionen mit teilnehmenden BILL-Kunden und Billtrust-Lieferanten.

Für Visa liegt der Reiz im Kartengeschäft. Käuferplattformen wie BILL könnten Kartenzahlungen auch bei Lieferanten anbieten, die bisher vor allem Überweisungen per ACH oder Scheck akzeptierten. Lieferanten wiederum erhalten ihr Geld schneller.

Sponsoring und Zahlentermin

Parallel dazu sichert sich Visa einen prominenten Auftritt im Sport. Das Unternehmen wird mehrjähriger bevorzugter Zahlungspartner von Churchill Downs und des 153. Kentucky Derby, das am 1. Mai 2027 stattfindet. Karteninhaber sollen exklusive Angebote und Erlebnisse rund um das Rennwochenende erhalten. Visa reiht sich damit neben Partnern wie Woodford Reserve, Longines, Ford und SAP ein.

Am 27. Oktober nach Börsenschluss legt Visa die nächsten Quartalszahlen vor. Optionsdaten deuten auf eine Kursbewegung von etwa 3,2 Prozent in beide Richtungen hin. Die Aktie übertraf den erwarteten Ausschlag in drei der vergangenen acht Berichte, etwa im April mit 6,7 Prozent gegenüber erwarteten 3,5 Prozent. Zuletzt, im Juli, lag die Bewegung mit 2,3 Prozent darunter.

Am 27. Oktober dürfte sich zeigen, ob der Markt die Agenten-Strategie bereits in die Bewertung einpreist oder zunächst die Zahlen im Kerngeschäft zählen.