Visa greift tief in die Kasse, um sich gegen eine neue Generation von Betrügern zu wappnen. Der Zahlungsdienstleister übernimmt das israelische Cybersecurity-Unternehmen BioCatch für 2,4 Milliarden Dollar in bar – ein deutliches Signal, wie ernst die Branche die Bedrohung durch KI-gestützte Betrugsmaschen mittlerweile nimmt.
BioCatch stammt aus dem Portfolio der Private-Equity-Gesellschaft Permira und weiterer Investoren. Das Unternehmen hat sich auf sogenannte Verhaltensbiometrie spezialisiert: Die Software analysiert Tippgeschwindigkeit, Druck auf dem Touchscreen und andere Nutzersignale, um echte Kunden von Betrügern und Bots zu unterscheiden. Nach eigenen Angaben schützt BioCatch aktuell 1,8 Milliarden Geräte und 760 Millionen Nutzer bei mehr als 350 Banken in 21 Ländern.
Ein Trillionen-Dollar-Problem als Treiber
Der Deal fällt in eine Zeit, in der generative KI Betrugsversuche billiger, schneller und überzeugender macht. Visa beziffert die weltweiten Kosten durch Betrug und Kontoübernahmen auf über eine Billion Dollar jährlich. Genau hier setzt die Logik der Übernahme an: Statt Betrug erst am Zahlungspunkt zu stoppen, soll die Technologie verdächtiges Verhalten schon vorher erkennen.
Für Visa ist es der jüngste Baustein im Ausbau der sogenannten Value-Added-Services – jenem Geschäftsbereich, der Banken und Finanzinstituten Betrugsprävention, Cybersicherheit und Analysetools verkauft und zuletzt zu den am schnellsten wachsenden Sparten des Konzerns zählte. In den vergangenen fünf Jahren hat Visa nach eigenen Angaben bereits mehr als 13 Milliarden Dollar in Technologie und Infrastruktur zum Schutz des Zahlungsnetzwerks investiert.
Die Größenordnung wird deutlich, wenn man BioCatchs Reichweite mit der von Visa vergleicht: Während der Fraud-Spezialist rund 760 Millionen Nutzer absichert, verbindet Visas globales Netzwerk fast 14.500 Finanzinstitute und wickelt jährlich über 329 Milliarden Transaktionen im Wert von mehr als 17 Billionen Dollar ab. Die neue Technologie soll künftig direkt in diese Infrastruktur einfließen.
An der Börse reagierten die Anleger zunächst verhalten positiv, die Aktie legte im vorbörslichen Handel leicht zu. Der eigentliche Test steht jedoch noch bevor: Die Übernahme muss noch die Kartellbehörden passieren und soll bis zum Ende des zweiten Geschäftsquartals 2027 abgeschlossen werden.
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