Visa hat am Freitag neue Hinweise auf die Verbreitung KI-gestützter Einkaufshelfer veröffentlicht. In einer Unternehmensumfrage erklärten 54% der befragten Erwachsenen in den USA, künstliche Intelligenz bereits für mindestens eine Einkaufsaufgabe genutzt zu haben.

Im Vorjahr waren es 47%. Für Anleger ist dabei die Verbindung zu Visas Zahlungsprojekten interessant: Das Unternehmen erprobt bereits Zahlungen durch KI-Agenten und prüft eine Zusammenarbeit mit Tencent.

Einkaufsnutzung ist noch kein Zahlungsvolumen

Die Umfrage erfasste mehr als 1.000 Erwachsene in den USA. Sie fand online vom 26. September bis zum 2. Oktober statt. Ihr Ergebnis beschreibt die Nutzung von KI bei Einkaufsaufgaben – nicht den Umfang tatsächlich durch KI ausgelöster Zahlungen.

Diese Unterscheidung ist für die wirtschaftliche Einordnung entscheidend. Ein digitaler Helfer bei der Einkaufsvorbereitung ist nicht automatisch ein Agent, der Rechnungen bezahlt. Die Befragung liefert damit einen Hinweis auf die Akzeptanz der Technologie. Einen Nachweis zusätzlicher Zahlungserlöse für Visa liefert sie nicht.

Visa arbeitet allerdings bereits an Anwendungen, die über die Unterstützung beim Einkauf hinausgehen. Im Mittelpunkt stehen dabei freigegebene Zahlungen und die Kontrolle durch die beteiligten Unternehmen.

Pilotprojekt trifft auf Kooperationspläne

Am 20. Oktober starteten Visa, BILL und Billtrust einen laufenden Pilotversuch. Vertrauenswürdige KI-Agenten sollen darin genehmigte Rechnungszahlungen von Käufern über Lieferantenportale anstoßen und abschließen. Die Kontrollmöglichkeiten der Lieferanten bleiben erhalten.

Am 21. Oktober stellte Visa ergänzende Funktionen für geschäftliche Zahlungen vor. Sie umfassen die Analyse möglicher Lieferantenzahlungen, Sicherheitskontrollen für virtuelle Karten und agentengestützten Handel. Nach Unternehmensangaben identifizierte das Analysewerkzeug seit seinem Start potenziell kartengeeignete Ausgaben von mehr als $600 Milliarden.

Diese Summe bezeichnet ein identifiziertes Potenzial, kein bereits abgewickeltes Zahlungsvolumen. Für die Bewertung der Initiative zählt deshalb nicht allein die Größe der erkannten Möglichkeiten. Entscheidend ist auch, welche davon tatsächlich in Kartenzahlungen übergehen.

Am Donnerstag unterzeichneten Visa und Tencent zudem eine Absichtserklärung. Beide wollen Möglichkeiten der Zusammenarbeit bei grenzüberschreitenden Zahlungen, agentengestütztem Handel und KI-Anwendungen für Unternehmen prüfen. Dazu gehören mögliche Überweisungen über Visa Direct an Weixin Pay. Eine abgeschlossene Umsetzung ist damit nicht verbunden.

Wachstumsideen neben dem bestehenden Geschäft

Die Projekte treffen auf eine wachsende Umsatzbasis. Visa meldete am 27. Oktober für das vierte Geschäftsquartal 2026 einen Nettoumsatz von $12,1 Milliarden. Das entsprach einem Zuwachs von 13%.

Für Anleger stehen damit unterschiedliche Entwicklungsstufen nebeneinander: Die Umfrage beschreibt das Nutzerverhalten, der Pilot erprobt die Zahlungsabwicklung und die Tencent-Vereinbarung eröffnet mögliche Kooperationsfelder. Keine dieser Meldungen setzt das jeweilige Potenzial bereits mit realisierten Erlösen gleich. Gerade diese Trennung ist wichtig, um Visas KI-Initiativen wirtschaftlich einzuordnen.