Am 16. Juli 2026 hat das Unternehmen die Visa Stablecoin Platform (VSP) offiziell gestartet. Diese neue Infrastruktur ermöglicht es Finanzinstituten, Fintechs und Krypto-Unternehmen, Stablecoins innerhalb der bestehenden Visa-Netzwerkstrukturen zu prägen, zu verwalten und zu transferieren. Im Zentrum der neuen Plattform steht zunächst der Stablecoin Open USD (OUSD).
Digitale Assets im bestehenden Zahlungsnetzwerk
Die Einführung der VSP zielt darauf ab, die Lücke zwischen traditionellen Finanzsystemen und der Blockchain-Technologie zu schließen. Laut Berichten von Fortune richtet sich das Angebot an mehr als 15.000 Finanzinstitute und über 200 Millionen Händler weltweit. Die Plattform bietet unter anderem „Wallet-as-a-Service“, duale Genehmigungsverfahren für Transaktionen und detaillierte Audit-Protokolle. Damit können Banken Stablecoin-Dienstleistungen in ihre regulären Arbeitsabläufe integrieren, ohne eine eigene Blockchain-Infrastruktur aufbauen zu müssen.
Rubail Birwadker betonte gegenüber Fortune, dass die Plattform vollständig interoperabel mit den Treasury- und Abwicklungssystemen von Banken konzipiert sei. Visa verarbeitet jährlich ein Transaktionsvolumen von rund 15 Billionen US-Dollar und nutzt bereits heute Stablecoins für Abrechnungen im Milliardenbereich. Während Visa bei diesem Modell als Infrastrukturgeber fungiert und nicht selbst als Emittent auftritt, wird die technologische Basis durch die Partnerschaft mit Open Standard bereitgestellt.
Strategische Allianz mit Branchengrößen
Die Unterstützung von Open USD (OUSD) positioniert Visa innerhalb eines mächtigen Konsortiums. Open Standard wird von Schwergewichten wie BlackRock, Alphabet, Coinbase und Visa selbst getragen. Dieser Verbund setzt etablierte Wettbewerber unter Druck: Nach der Ankündigung der Visa-Plattform verloren die Aktien von Circle um rund 5 Prozent. Open USD zeichnet sich dadurch aus, dass keine Gebühren für die Prägung oder Rückgabe anfallen und die Reserveerträge an die Partner zurückfließen.
Der Einstieg erfolgt vor dem Hintergrund eines wachsenden Marktes für wertstabile Kryptowährungen, der mittlerweile ein Volumen von über 310 Milliarden US-Dollar erreicht hat. Ein wesentlicher regulatorischer Treiber war hierbei der im Juli 2025 unterzeichnete US GENIUS Act, der den rechtlichen Rahmen für Stablecoins festigte. CFO Chris Suh äußerte sich jedoch vorsichtig bezüglich der kurzfristigen finanziellen Auswirkungen und wies darauf hin, dass die unmittelbaren Erträge aus dieser neuen Sparte zunächst moderat ausfallen könnten.
Analysten sehen weiteres Potenzial für Visa-Aktie
Trotz der vorsichtigen Töne des Managements reagierte der Kapitalmarkt positiv. Analyst Owen Lau von Clear Street initiierte die Abdeckung der Aktie mit einem „Buy“-Rating und einem Kursziel von 403 US-Dollar. Er bezeichnete Visa als einen hochwertigen „Mautstellen-Betreiber“, der vom globalen Übergang von Bargeld zu digitalen Zahlungen profitiert. Auch andere Häuser passten ihre Erwartungen an: Autonomous Research erhöhte das Kursziel auf 412 US-Dollar, während UBS die Sichtbarkeit des Umsatzwachstums durch die bestehenden Leistungsverpflichtungen hervorhob.
Die geschäftliche Dynamik untermauerte Visa bereits mit den Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026. Das Unternehmen meldete einen Gewinn pro Aktie von 3,31 US-Dollar und übertraf damit die Schätzungen von 3,10 US-Dollar. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 17,1 Prozent auf 11,23 Milliarden US-Dollar. Das Board genehmigte zudem Aktienrückkäufe im Volumen von 20 Milliarden US-Dollar.
An der Börse wird die Entwicklung aufmerksam verfolgt. Die Visa-Aktie notiert aktuell bei 318,95 € und liegt damit um 0,11 % über ihrem bisherigen 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn verzeichnet das Papier eine Wertsteigerung von 7,84 %. Mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet 591,21 Milliarden € festigt das Unternehmen seine Position als einer der wertvollsten Finanzkonzerne der Welt. Neben der Stablecoin-Plattform plant Visa für August 2026 den Pilotstart eines KI-Finanzassistenten für US-Banken, um die technologische Führung im Zahlungsverkehr weiter auszubauen.
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