Volkswagen steuert auf eine offene Konfrontation mit der eigenen Belegschaft zu. Der Betriebsrat verlangt von Konzernchef Oliver Blume Klarheit über weitere Jobkürzungen: Bis zu 50.000 zusätzliche Stellen stehen zur Disposition, sollten die Arbeitskosten nicht sinken – zusätzlich zu den bereits bis 2030 geplanten 50.000 Stellenstreichungen.
Betriebsversammlungen sind für Ende August terminiert: am 25. August in Wolfsburg, am 26. August in Emden und Zwickau, am 31. August in Hannover. Die Werke Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm haben nach Konzernangaben keine gesicherte Auslastung mehr.
Der Streit trifft einen Konzern, der ohnehin unter Druck steht. Im ersten Halbjahr 2026 sank der operative Gewinn um 11,6 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro, die Marge rutschte auf 3,8 Prozent. Der Absatz brach um 8,4 Prozent auf rund vier Millionen Fahrzeuge ein, in China lagen die Auslieferungen im zweiten Quartal sogar 36,6 Prozent unter Vorjahr.
Porsche SE als mit 53,3 Prozent der Stimmrechte dominierender Großaktionär drängt auf ein schnelleres Restrukturierungstempo – ein im Juli vorgelegtes Sanierungspaket war im Aufsichtsrat mit 12 zu 7 Stimmen zunächst gescheitert.
Verbrenner-Comeback als Gegenbewegung
Während im Hintergrund über Werksschließungen verhandelt wird, fährt VW in Wolfsburg wieder Sonderschichten für klassische Verbrennermodelle. Für Tiguan, Golf, Touran und Tayron sind 16 zusätzliche Schichten in der Montage sowie weitere im Karosseriebau und in der Lackiererei angesetzt.
Grund ist die anhaltend hohe Nachfrage nach Verbrennern: In der EU entfielen im ersten Quartal 30,3 Prozent der Neuzulassungen auf reine Benzin- und Dieselfahrzeuge, reine Elektroautos kamen auf 19,4 Prozent. Der Konzern reagiert damit pragmatisch auf eine Marktrealität, die seiner ursprünglichen E-Auto-Strategie widerspricht.
Parallel baut Volkswagen sein Engagement im US-Elektromarkt aus. Über eine Beteiligung von 15,9 Prozent ist der Konzern inzwischen größter Anteilseigner bei Rivian und hat damit Amazon mit rund 13 Prozent überholt. Im Rahmen eines Gemeinschaftsunternehmens für elektrische Fahrzeugarchitekturen kann VW dort bis zu 5,8 Milliarden Dollar investieren. Rivian plant zudem ein günstigeres SUV-Modell namens R2 für den US-Markt.
Kapitalmarkt bleibt vorsichtig
Am Finanzmarkt agiert Volkswagen unterdessen weiter aktiv in der Refinanzierung: Die Leasingtochter VW Credit hat über den Verbriefungsfonds Volkswagen Auto Lease Trust 2026-A forderungsbesicherte Anleihen im Volumen von 1,5 Milliarden Dollar begeben, abgesichert durch Neuwagenleasingverträge mit einem durchschnittlichen FICO-Score von 774. Die Bonitätsagenturen Fitch und S&P bewerteten die oberen Tranchen mit Bestnoten.
Der Aktienkurs spiegelt die widersprüchliche Lage: Zum Wochenschluss stand das Papier bei 73,88 Euro, ein Plus von 0,9 Prozent, doch das reicht nicht, um den Abwärtstrend der vergangenen sieben Handelstage von 1,8 Prozent auszugleichen.
Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 29 Prozent zu Buche, der Kurs notiert rund 19 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Anleger dürften die anstehenden Betriebsversammlungen Ende August genau beobachten – sie könnten zeigen, ob der Konzern die interne Blockade bei der Restrukturierung überwinden kann.
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