Volkswagen sichert sich frische Milliarden. Parallel dazu stürzt die Aktie auf ein neues 52-Wochen-Tief ab. Zwischen einem lukrativen Verkauf und drastischen Kürzungsplänen klaffen Realität und Stimmung in Wolfsburg weit auseinander.

Der Autobauer veräußert die Mehrheit an seiner Tochtergesellschaft Everllence. Der US-Finanzinvestor Bain Capital zahlt für den ehemaligen Großmotorenspezialisten rund 7,4 Milliarden Euro. Volkswagen behält künftig eine Beteiligung von 49 Prozent. Bis Ende 2026 soll der Deal über die Bühne gehen.

Konzernchef Oliver Blume will sich damit stärker auf das automobile Kerngeschäft konzentrieren. Die deutschen Standorte der hochprofitablen Tochter bleiben bis mindestens 2030 erhalten. Auch betriebsbedingte Kündigungen sind bis dahin vom Tisch. Bain Capital plant nun den Ausbau im Bereich der Künstlichen Intelligenz.

Sanierungsdruck überschattet Milliardendeal

Am Kapitalmarkt verpufft die positive Nachricht völlig. Medienberichten zufolge diskutiert das Management intern den Abbau von bis zu 100.000 Stellen weltweit. Das wäre eine Verdopplung der bisherigen Pläne. Vier deutsche Werke stehen auf der Kippe. Darunter befinden sich Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm.

Die Angst vor diesem Kahlschlag schickt den Kurs auf Talfahrt. Am Freitag rutschte das Papier auf ein neues 52-Wochen-Tief bei 74,12 Euro. Zum Handelsschluss stand ein Minus von fast vier Prozent auf der Anzeigetafel. Seit Jahresbeginn summiert sich der Verlust damit auf knapp 30 Prozent.

Aufsichtsratssitzung als nächster Meilenstein

Charttechnisch ist die Lage extrem angespannt. Der Relative-Stärke-Index signalisiert mit einem Wert von 23,3 eine stark überverkaufte Situation. Eine Erholung erfordert nun fundamentale Klarheit. Diese könnte am 9. Juli 2026 folgen. Dann legt das Management dem Aufsichtsrat das finale Sanierungskonzept vor.

Kurz gesagt: ein Pulverfass. Das Land Niedersachsen hält ein Fünftel der Stimmrechte und lehnt Werksschließungen strikt ab. Auch die IG Metall formiert massiven Widerstand. Das Treffen Anfang Juli entscheidet direkt über die künftige Werksstruktur des Konzerns in Deutschland.