140.000 Jobs stehen zur Debatte, das Vertrauen in den Vorstand ist „beschädigt“ – und Konzernchef Oliver Blume steht in Wolfsburg vor Tausenden Beschäftigten, um für seinen Sparkurs zu werben. Der Ton zwischen Management und Belegschaft ist so scharf wie lange nicht.

Auf einer außerordentlichen Betriebsversammlung im Stammwerk verteidigte Blume das größte Transformationsprogramm der Unternehmensgeschichte. Seine Begründung: Die Fixkosten von Volkswagen liegen rund 30 Prozent über denen der Wettbewerber. Mindestens 10 Milliarden Euro sollen deshalb eingespart werden, ein Teil davon über den Abbau von Stellen – je zur Hälfte in Deutschland und im weltweiten Konzern, wie Blume betonte.

Woher die Zahl 140.000 kommt

Die Arbeitnehmerseite rechnet düsterer als der Vorstand. Betriebsratschefin Daniela Cavallo kommt auf bis zu 140.000 gefährdete Arbeitsplätze – zusammengesetzt aus bereits vereinbarten Kürzungen in Deutschland, einem möglichen weltweiten Abbau von rund 50.000 Stellen und weiteren 40.000 Jobs an vier deutschen Standorten, deren Zukunft offen ist. Blume selbst relativierte die oft zitierte Zahl von zusätzlich 50.000 Stellen weltweit: Das sei eine theoretische Rechnung, kein festgelegtes Ziel.

Die Fronten sind trotzdem verhärtet. Cavallo erklärte, das Vertrauen in das Management und insbesondere in den Vorstandschef sei beschädigt – nicht irreparabel, aber beschädigt. IG-Metall-Chefin Christiane Benner nannte Blumes Ziel einer operativen Marge von 9 Prozent ein „Wolkenkuckucksheim“. Ein örtlicher Gewerkschaftsvertreter brachte bereits Streiks ins Gespräch, sollte das Management nicht zurückrudern.

Der Druck kommt nicht nur von unten. Auch die Porsche SE, als Holding der Familien Porsche und Piëch größter Einzelaktionär, drängt das Management zu schnellerem Handeln. Belastet wird das Ergebnis zusätzlich durch schwächere Verkäufe in China und nicht ausgelastete Werke in Deutschland.

Vier Werke im Fokus

Im Zentrum der aktuellen Betriebsversammlungen stehen vier deutsche Standorte, deren langfristige Perspektive ungewiss bleibt. Cavallo fordert vom Vorstand eine klare Zusage für alle deutschen Standorte – eine Forderung, die im direkten Widerspruch zu Blumes Kostenzielen steht.

Die kommenden Wochen dürften zeigen, wie weit beide Seiten voneinander entfernt sind. Sollte die Gewerkschaft ihre Streikandrohung konkretisieren, wäre das der nächste Eskalationsschritt in einem Konflikt, der die Umsetzung des Sparprogramms erheblich verzögern könnte.