Konzernchef Oliver Blume hat in einem internen Auftritt erstmals konkret mit dem Abbau von weiteren 50.000 Stellen gedroht – zusätzlich zu den bereits vereinbarten 50.000 Jobs, die bis 2030 wegfallen sollen. Betroffen wären demnach nicht nur die Kernmarke VW, sondern auch Audi und weitere Konzernmarken. Der Vorstoß markiert eine neue Eskalationsstufe in der Auseinandersetzung zwischen Management, Betriebsrat und IG Metall.
Die Aktie bleibt von der Unsicherheit gezeichnet. Am Montag notiert das Papier bei 71,34 Euro, ein Plus von 0,39 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss von 71,06 Euro. Der Kurs bewegt sich damit nur gut drei Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro, das erst Anfang Juli markiert wurde. Zum bisherigen Jahreshoch von 109,10 Euro aus dem Dezember 2025 klafft eine Lücke von fast 35 Prozent. Auf Jahressicht steht ein Minus von knapp 33 Prozent zu Buche, allein in den vergangenen 30 Tagen verlor die Aktie fast 20 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 31,2 signalisiert eine überverkaufte Lage, während die 30-Tage-Volatilität mit gut 32 Prozent auf anhaltend hohe Unsicherheit hindeutet.
„Intelligentere Lösungen“ statt Werksschließungen
Trotz der drastischen Drohkulisse versucht Blume, den Eindruck eines unkontrollierten Kahlschlags zu vermeiden. In einem Interview mit „Bild am Sonntag“ betonte er, Werksschließungen in Deutschland möglichst vermeiden zu wollen. Stattdessen setze er auf „intelligentere Lösungen“. Nach Berichten stehen dennoch über 100.000 Stellen und ganze Standorte auf dem Prüfstand. Der Personalabbau soll laut Konzernführung vor allem über natürliche Fluktuation erfolgen, nicht über betriebsbedingte Kündigungen.
Kern des Problems ist nach Blumes eigener Einschätzung nicht mangelnde Nachfrage, sondern zu geringe Profitabilität. Die Fahrzeuge seien beliebt, aber die Margen reichten nicht aus. Als Konsequenz erwägt der Konzern, bis zu 50 Prozent der aktuellen Modellpalette zu streichen und die Ausstattungsoptionen der verbleibenden Modelle um bis zu 75 Prozent zu reduzieren. Die Absatzzahlen untermauern den Handlungsdruck: Der Konzern verkauft nach aktuellen Angaben deutlich weniger Autos, mit einem Rückgang von fast neun Prozent. Kursierende Gerüchte sprechen sogar von möglichen Entlassungen im Umfang von bis zu 120.000 Stellen – eine Zahl, die von Konzernseite bislang nicht bestätigt ist.
Machtkampf im Aufsichtsrat
Hintergrund der Zuspitzung ist eine Aufsichtsratssitzung Anfang Juli, die laut einer Kommentierung des „Münchner Merkur“ einen offenen Machtkampf im Konzern offenbart hat. Managementfehler, strukturelle Standortnachteile in Deutschland und der scharfe Wettbewerb aus China träfen auf einen nach Einschätzung der Zeitung politisch gelähmten Konzern, in dem Vertreter von SPD und Grünen im Aufsichtsrat notwendige Anpassungen blockierten. Der Kommentar stellt klar, dass der Staat nicht der bessere Unternehmer sei.
Der Widerstand gegen die Sparpläne formiert sich derweil auch außerhalb der Wolfsburger Zentrale. IG Metall Baden-Württemberg hat zu Protestaktionen gegen Stellenabbau in der Automobilbranche aufgerufen, unter anderem in Sindelfingen. Betroffen sind neben Volkswagen-Marken wie Audi auch Mercedes-Benz und Porsche. Die Gewerkschaft fordert von den Konzernen Investitionen statt weiterer Einschnitte und wirft dem Management vor, den Strukturwandel zur Elektromobilität einseitig auf dem Rücken der Belegschaft auszutragen.
Für Anleger bleibt die Gemengelage aus internem Sparkurs, Aufsichtsratsstreit und gewerkschaftlichem Widerstand eine erhebliche Belastung. Der deutliche Abstand des Kurses zu sämtlichen gleitenden Durchschnitten – 14,92 Prozent unter der 50-Tage-Linie, 23,85 Prozent unter der 200-Tage-Linie – spiegelt wider, wie tief das Vertrauen der Märkte in eine schnelle Lösung des Kostenproblems derzeit sitzt.
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