Der Wolfsburger Automobilkonzern leitet eine weitreichende Neuausrichtung seines Standorts in Osnabrück ein. Wie das Unternehmen am heutigen Montag bekannt gab, haben sich Volkswagen, das Land Niedersachsen und der Finanzinvestor Aurelius auf die Eckpunkte für einen Verkauf des Werks verständigt.
Nach dem geplanten Auslaufen der Fahrzeugproduktion im Jahr 2027 soll der Standort zu einem Kompetenzzentrum für Sicherheits- und Verteidigungslösungen umgewandelt werden.
Strategischer Schwenk zur Verteidigungsindustrie
Der geplante Verkauf markiert eine Zäsur für das Werk, in dem derzeit unter anderem das T-Roc Cabrio gefertigt wird. Mit dem Einstieg von Aurelius als Mehrheitseigentümer und einer Minderheitsbeteiligung des Landes Niedersachsen wird die industrielle Basis in Osnabrück neu definiert.
Ein zentrales Element dieser Transformation ist eine Kooperation mit dem israelischen Rüstungskonzern Rafael, der für das Luftverteidigungssystem Iron Dome bekannt ist.
Am Standort sollen künftig Komponenten für die Luftabwehr sowie spezialisierte Militärfahrzeuge produziert werden. Dazu gehört Medienberichten zufolge auch die Umrüstung des VW-Modells Amarok für militärische Zwecke. Laut Vereinbarung können rund 1.400 der insgesamt 1.800 Beschäftigten am Standort weiterbeschäftigt werden.
Der Betriebsratsvorsitzenden Daniela Cavallo zufolge erhalten diese Mitarbeiter damit eine langfristige Perspektive bis zum Ende des Jahrzehnts. Konzernchef Oliver Blume bezeichnete den Verkauf als einen wichtigen Schritt zur Bewältigung von Überkapazitäten.
Kostendisziplin und neue Renditeziele bis 2030
Parallel zum Verkauf in Osnabrück konkretisiert Volkswagen seine globalen Effizienzziele. Nachdem der Aufsichtsrat in der vergangenen Woche den „Zukunftsplan 2030“ gebilligt hat, stehen tiefgreifende Einschnitte bevor. Das Programm sieht eine Reduzierung der Modellpalette um die Hälfte bis zum Jahr 2035 vor. Gleichzeitig soll die Komplexität durch eine Verringerung der Modellvarianten um 75 Prozent drastisch gesenkt werden.
Das Ziel des Managements ist eine operative Umsatzrendite von 9 Prozent bis zum Ende des Jahrzehnts. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2026 lag dieser Wert noch bei 3,8 Prozent.
Um diese Steigerung zu erreichen, ist eine Ergebnisverbesserung von rund 31 Milliarden Euro notwendig. Der Plan umfasst zudem den Abbau von weltweit weiteren 50.000 Stellen. Damit reagiert der Konzern auf die schwache Nachfrage in Europa und den intensiven Wettbewerb in China.
Analysten sehen trotz Sparmaßnahmen Potenzial
Die Aktie reagiert am Montag verhalten auf die Nachrichten und notiert bei 81,24 Euro nahezu unverändert zum Schlusskurs des vorangegangenen Handelstags. Trotz der Herausforderungen beim Stellenabbau und der Werksschließungen zeigen sich einige Experten optimistisch. Die Analysten von Jefferies und RBC belassen ihre Einstufung für die Volkswagen-Vorzüge auf „Buy“ beziehungsweise „Outperform“ und rufen jeweils ein Kursziel von 120 Euro auf.
Die Experten verweisen darauf, dass die nun beschlossenen Maßnahmen die Bewertungslücke zur Konkurrenz schließen könnten. Zwar belasten die Sanierungskosten kurzfristig, doch die Reduzierung der Gemeinkosten um 11 Milliarden Euro wird positiv gewertet.
Der Titel liegt mit dem aktuellen Kursniveau 9,3 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 74,34 Euro. Dennoch bleibt die Bilanz seit Jahresbeginn mit einem Minus von 22 Prozent belastet, während das Management am kommenden Freitag weitere Details zur Umsetzung des Umbaus in Paris vorstellen will.
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