Volkswagen hat Everllence — den ehemaligen MAN Energy Solutions-Ableger — zur Hälfte losgeschlagen. Der Wolfsburger Konzern überträgt 51 Prozent an den US-Finanzinvestor Bain Capital und kassiert dafür 7,4 Milliarden Euro. Die Aktie zog daraufhin rund 2,5 Prozent an.

Was hinter dem Deal steckt

Everllence ist kein Randbetrieb. Das Unternehmen beschäftigt rund 16.000 Menschen, kommt auf einen Jahresumsatz von etwa 4,9 Milliarden Euro und gehört zu den führenden Herstellern von Großmotoren, Turbomaschinen und Dekarbonisierungslösungen. Bain Capital sieht das Unternehmen als Profiteur dreier Wachstumsfelder: grüne Schifffahrt, Marineverteidigung und Energieversorgung für Rechenzentren — Letzteres befeuert durch den anhaltenden KI-Boom.

Das Bieterrennen war lebhaft. Bain setzte sich gegen die Finanzinvestoren CVC und EQT durch. EQT hatte ein Konsortium gebildet, das auch Porsche SE umfasste — den größten VW-Aktionär. Wegen dieser Verflechtung leitete das VW-Management das Verfahren als verdecktes Ausschreibungsverfahren, zahlreiche Aufsichtsratsmitglieder enthielten sich, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Dass Bain dennoch das Rennen machte, gilt als Überraschung.

Kerngeschäft statt Konglomerat

Der Verkauf folgt einem klaren strategischen Muster. CEO Oliver Blume hat angekündigt, das weitverzweigte Konzernportfolio zu straffen und die Ressourcen auf das Automobilgeschäft zu konzentrieren — das unter Zolldruck, chinesischer Konkurrenz und den Kosten der Elektromobilitätswende leidet. Everllence passt schlicht nicht in dieses Bild.

JP Morgan wertete die Transaktion als spürbares Plus für die Finanzlage des Konzerns. Auf Basis des Ende Mai ausgewiesenen Buchwerts von 3,4 Milliarden Euro und der Gesamterlöse ergibt sich eine implizite Unternehmensbewertung von mehr als 9 Milliarden Euro.

VW bleibt mit 49 Prozent als Minderheitsgesellschafter an Bord. Die fünf deutschen Everllence-Standorte sind bis mindestens 2030 gesichert, betriebsbedingte Kündigungen in diesem Zeitraum ausgeschlossen.

Über die Verwendung der 7,4 Milliarden Euro hat der Konzern noch nicht entschieden. Genehmigungen durch Kartellbehörden und — in Frankreich — durch die gesetzlich vorgeschriebene Arbeitnehmerberatung stehen noch aus. VW rechnet mit dem Abschluss der Transaktion bis Ende 2026.