Operativer Auftakt in Baden-Württemberg
Vonovia setzt im operativen Tagesgeschäft auf die gezielte Aufwertung bestehender Liegenschaften. Am Mittwoch startete der Konzern im baden-württembergischen Rastatt die Modernisierung von vier Mehrfamilienhäusern. Das Projekt am Rheinauer Ring umfasst 73 Wohnungen, wobei sich das gesamte Investitionsvolumen auf mehr als 4,7 Millionen Euro beläuft.
Neben den baulichen Maßnahmen engagiert sich das Unternehmen auch im kommunalen Umfeld seiner Standorte. Am 18. September unterzeichnete Vonovia die Essener Charta zur Verhinderung und Bekämpfung von Einsamkeit. Mit diesem Schritt trat der Konzern einer städtischen Verantwortungsgemeinschaft bei, die sich für mehr gesellschaftliche Teilhabe und sozialen Zusammenhalt einsetzt.
Kontroverse um Berliner Wohnungsmarkt
Das operative Vorgehen vollzieht sich vor dem Hintergrund intensiver wohnungspolitischer Auseinandersetzungen. Die Berliner Linke belebt die Vergesellschaftungsdebatte für große Wohnungsunternehmen nach der dortigen Abgeordnetenhauswahl, was Anleger an den Finanzmärkten besorgt zur Kenntnis nahmen. Laut dpa-AFX war die Aktie unmittelbar nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses im Vormittagshandel um 2,2 Prozent gefallen.
Vonovia-CEO Luka Mucic bezog daraufhin Stellung. Laut der Nachrichtenagentur Reuters bot er einer künftigen Berliner Landesregierung Gespräche an und bezeichnete den Konzern als Teil der Lösung durch Neubau und bezahlbare Mieten. Gleichzeitig wies Mucic Enteignungsforderungen deutlich zurück: „Vergesellschaftung schafft keine einzige neue Wohnung.“
Über die finanziellen Dimensionen derartiger Vorhaben veröffentlichte das Analysehaus PLATOW am Donnerstag eine eigene Einschätzung, die sich den potenziellen jährlichen Kosten möglicher Vergesellschaftungen widmete.
Gegensätzliche Signale der Analystenhäuser
Unter Marktbeobachtern fallen die Reaktionen auf die regulatorischen Risiken höchst unterschiedlich aus. Exane BNP Paribas senkte das Vonovia-Kursziel vor gut einer Woche von 19 auf 16 Euro und stufte die Aktie mit „Underperform“ ein. Als Belastungsfaktoren verwiesen die Analysten ausdrücklich auf die erneute Debatte um Vergesellschaftungen und einen Mietendeckel.
Zu einem völlig anderen Urteil kommt Berenberg. Nach einem Gespräch auf einer Konferenz der Privatbank beließ das Institut das Papier am 22. September auf „Buy“ mit einem Kursziel von 34,50 Euro. Laut dpa-AFX bekräftigten die Experten ihre rechtliche Einschätzung, dass eine Enteignung großer Wohnungsunternehmen in Berlin verfassungswidrig wäre.
An den Märkten bleibt die Stimmung vor diesem Hintergrund verhalten. Das Papier notiert heute bei 17,32 Euro. Damit verharrt der Kurs mit einem Abstand von 1,6 Prozent in direkter Nähe zu seinem 52-Wochen-Tief von 17,05 Euro.
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