Vulcan Energy hat in Deutschland eine Hürde genommen, die für das Lithiumprojekt im Oberrheingraben zentral ist. Mit der LiThermEx-Lizenz erhält das Unternehmen die erste kommerzielle Genehmigung zur Lithiumproduktion in dieser Region. Aus einem Genehmigungsprojekt wird damit ein Bau- und Umsetzungsprojekt.

Der Schritt verändert die Wahrnehmung des Vorhabens. Bislang standen Erkundung, technische Optimierung und behördliche Freigaben im Vordergrund. Nun rückt die Frage näher, ob Vulcan die Anlagen termingerecht baut und die geplante Produktion sauber hochfährt.

Genehmigungsrisiko sinkt deutlich

Die LiThermEx-Lizenz gibt Vulcan das formale Recht, Lithium aus geothermischen Solen im Oberrheingraben zu gewinnen. Für das Phase-One-Projekt Lionheart ist das mehr als ein Verwaltungsakt. Es schließt eine zentrale regulatorische Lücke.

Alle wesentlichen Bau- und Produktionsgenehmigungen liegen damit vor. Das Unternehmen wechselt operativ in eine andere Phase: weg vom Entwicklerstatus, hin zum Betreiber im Aufbau. Genau hier wird es anspruchsvoll. Genehmigungen reduzieren Risiken, ersetzen aber keine industrielle Umsetzung.

Finanzierung und Bau laufen parallel

Rückenwind kommt von der Finanzierung. Für Project Lionheart wurde ein Paket über 3,9 Milliarden australische Dollar geschlossen, umgerechnet rund 2,2 Milliarden Euro. Beteiligt ist ein Konsortium aus 13 Kreditgebern, darunter die Europäische Investitionsbank mit etwa 250 Millionen Euro.

Das ist ein starkes Signal für die Bankfähigkeit des Projekts. Gerade bei neuen europäischen Rohstoffprojekten entscheidet nicht nur die Geologie, sondern auch die Fähigkeit, Kapital, Genehmigungen und Industriepartner zusammenzubringen.

Auf der Baustelle geht es bereits voran. In Landau laufen Arbeiten für die kombinierte Geothermie- und Lithiumextraktionsanlage. Im Industriepark Frankfurt-Höchst hat der Bau der zentralen Lithiumanlage begonnen.

Bohrdaten stützen den Plan

Operativ meldet Vulcan Fortschritte bei den Bohrungen. Beim fünften Produktionsbohrloch LSC-1 ergaben Tests eine mögliche Förderleistung von etwa 105 bis 125 Litern pro Sekunde. Das stützt die Ziele des Feldentwicklungsplans.

Die Arbeiten sind inzwischen zur sechsten Bohrung weitergezogen. Hinzu kommt eine Entlastung auf Kostenseite: Rheinland-Pfalz hat eine Befreiung von Förderabgaben für die Lithiumproduktion gewährt. Das dürfte die Wirtschaftlichkeit von Lionheart verbessern.

An der Börse bleibt die Aktie trotzdem verhalten. Am Freitag schloss sie bei 2,28 Euro, auf Sicht von sieben Tagen liegt sie leicht im Minus, seit Jahresanfang rund zwölf Prozent tiefer. Der Kurs notiert über dem kurzfristigen Durchschnitt, bleibt aber unter der langfristigen Linie.

Vulcan arbeitet auf den ersten kommerziellen Produktionsstart im Jahr 2028 hin. Ziel sind 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid pro Jahr. Am 28. Mai 2026 steht die Hauptversammlung an; bis dahin liegt der Schwerpunkt weniger auf neuen Genehmigungen als auf Baufortschritt, Lieferverträgen und der technischen Umsetzung.