Vulcan Energy treibt sein Lithium-Großprojekt im Oberrheingraben voran. Bohrungen laufen planmäßig, der Bau der Geothermie-Anlage hat begonnen, und der Staat gewährt eine mehrjährige Steuerbefreiung. An der Börse zeigt das kaum Wirkung: Die Aktie notiert nahe ihrem Jahrestief.

Liquidität und Baufortschritt

Zum Ende des zweiten Quartals 2026 verfügte Vulcan Energy über eine Gesamtliquidität von 273,9 Millionen Euro. Davon liegen 193,9 Millionen Euro als Kassenbestand vor, weitere 80 Millionen Euro stecken in hochverzinslichen Termineinlagen mit Laufzeiten über 90 Tagen.

Die Entwicklungskosten für das Lionheart-Projekt beliefen sich im zweiten Quartal auf 92 Millionen Euro. Seit Jahresbeginn summieren sich die Ausgaben damit auf 168 Millionen Euro. Im Juli erhielt das Unternehmen zudem die erste Tranche aus seinem milliardenschweren Finanzierungspaket, das Anfang des Jahres final vereinbart wurde.

Sechste Bohrung erfolgreich, siebte läuft

Operativ meldet Vulcan Energy Fortschritte an mehreren Fronten. Die sechste Produktions- und Reinjektionsbohrung im Rahmen des Feldentwicklungsplans wurde im Quartal erfolgreich abgeschlossen. Lithiumgehalt, Temperatur und Förderpotenzial entsprachen den Erwartungen des Unternehmens.

Noch vor Quartalsende startete die Bohrung der siebten Anlage. In Landau haben parallel die Hochbauarbeiten für das 30-Megawatt-Geothermiekraftwerk begonnen. Aktuell entstehen Fundamente, Betonbauten und die Straßeninfrastruktur für die kombinierte Anlage zur Strom- und Lithiumgewinnung.

Steuerbefreiung verbessert Projektrechnung

Rheinland-Pfalz hat Vulcan Energy eine fünfjährige Befreiung von der Förderabgabe auf Lithium gewährt. Die Regelung soll die Wirtschaftlichkeit des Projekts bis 2030 spürbar verbessern. Zusätzlich nähert sich die Beschaffung für die erste Bauphase dem Abschluss — ein zentraler Baustein ist ein Liefervertrag mit Siemens für Engineering, Automatisierung und Gebäudetechnik.

Aktie bleibt unter Druck

Die operativen Fortschritte spiegeln sich im Aktienkurs bisher nicht wider. Das Papier schloss am Mittwoch bei 1,58 Euro, nur 1,67 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 1,55 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Kursverlust von 38,09 Prozent zu Buche.

Der 14-Tage-RSI liegt bei 28,6 und signalisiert damit eine überverkaufte Aktie. Die Marktkapitalisierung beträgt aktuell rund 744,5 Millionen Euro — bei einem Finanzierungspaket, das mit 2,2 Milliarden Euro mehr als das Doppelte davon umfasst.

Die Schere zwischen operativem Fortschritt und Kursentwicklung bleibt damit vorerst bestehen. Ob die anstehende siebte Bohrung oder weitere Baumeilensteine in Landau das Sentiment drehen können, hängt auch davon ab, wie schnell sich die technischen Erfolge in belastbare Produktionszahlen übersetzen lassen.