Der weltgrößte Einzelhändler stößt bei der Modernisierung seiner Lieferkette auf unerwartete operative Hürden. Das Wall Street Journal berichtet über technische Probleme bei der Automatisierung von rund 200 US-Logistikzentren, die mehr als 5.200 Filialen versorgen.

Die eingesetzten Robotersysteme haben demnach erhebliche Schwierigkeiten bei der Handhabung unregelmäßiger Verpackungen und schwerer Artikel wie Hundefuttersäcken oder Fernsehern. Für Walmart droht der erhoffte Effizienzsprung im Online-Geschäft damit teurer und langwieriger zu werden als geplant.

An der Börse zeigte sich das Papier zuletzt stabil. Die Walmart-Aktie beendete den Handel am Freitag bei 99,41 Euro und liegt damit rund 15 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 116,44 Euro.

Hohe Betriebskosten und manuelle Ausnahmen

Im Zentrum des milliardenschweren Umbaus steht das Ziel, den Personalbedarf zu senken und die Durchlaufzeiten drastisch zu verkürzen. In mehr als einem Dutzend Lagern stehen kleine mobile Roboter im Einsatz, die jedoch bei sperrigen Gütern unzuverlässig agieren. In der Folge müssen Beschäftigte weiterhin zahlreiche Ausnahmen manuell bearbeiten, was den kalkulierten Personal- und Schulungsaufwand in die Höhe treibt.

Zusätzlich belasten die laufenden Betriebsausgaben. In automatisierten Lebensmittelzentren können die monatlichen Stromkosten in Spitzenzeiten 800.000 US-Dollar oder mehr erreichen. An weitgehend manuell betriebenen Standorten fallen dagegen im Schnitt rund 250.000 US-Dollar pro Monat an.

Seit 2016 gab Walmart zudem fast eine Milliarde US-Dollar für die automatisierte Online-Kommissionierung direkt in Filialen aus, bislang jedoch ohne ein dauerhaft tragfähiges Modell zu etablieren.

Dennoch ist die Transformation bereits weit vorangeschritten. Bis August 2026 erhielten bereits mehr als 65 Prozent der Filialen automatisierte Fracht, während über die Hälfte des E-Commerce-Inventars über automatisierte Anlagen gesteuert wurde.

Enge Verbindung zum Robotikspezialisten Symbotic

Die operativen Verzögerungen haben auch eine strategische Dimension. Walmart treibt die Automatisierung nicht allein voran, sondern setzt maßgeblich auf die Technologie von Symbotic. Der Einzelhändler hält rund 12,6 Prozent an dem Robotikunternehmen und finanzierte die Entwicklung einer verkauften Einheit mit 520 Millionen US-Dollar.

Zugleich ist Walmart der dominierende Großkunde: Rund 85 Prozent des Umsatzes von Symbotic entfallen auf den Handelskonzern, im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erreichte der Anteil sogar 90,5 Prozent.

Zwar sank der Anteil der Symbotic-Roboter, die gleichzeitig repariert werden mussten, laut Unternehmensangaben von unter 10 Prozent im Vorjahr auf etwa 5 Prozent. Die Bewältigung der realen Anforderungen in den Verteilzentren bindet jedoch weiterhin erhebliche Ressourcen.

Margendruck im E-Commerce bleibt bestehen

Für Investoren steht vor allem die Kostenstruktur im Blickpunkt. Medienberichten zufolge drohen die unzuverlässige Robotik und teure Umrüstungen von Verteilzentren den finanziellen Nutzen der Automatisierung zu verzögern. Das könnte den anhaltenden Margendruck aus der E-Commerce-Logistik verlängern, anstatt die Profitabilität zeitnah zu steigern.

Das Branchenumfeld mahnt zur Vorsicht: Der Konkurrent Kroger musste nach einer gescheiterten Lagerautomatisierung bereits Abschreibungen in Höhe von 2,6 Milliarden US-Dollar verbuchen.

Gegenwind entsteht für Walmart damit genau an jener Schnittstelle, die das künftige Wachstum im Wettbewerb mit reinen Online-Händlern sichern soll. Solange die Systeme im Lageralltag auf manuelle Nacharbeit angewiesen bleiben, lässt die erhoffte Rendite auf die Milliardeninvestitionen auf sich warten.