Wolters Kluwer setzt im KI-Wettbewerb auf eigene Fachinhalte und deren Einbindung in professionelle Arbeitsabläufe. Wie sich das Unternehmen gegenüber Modellanbietern positioniert, ist heute Thema eines FAZ-Interviews. Konkrete Fortschritte liefert zugleich eine neue Partnerschaft im Gesundheitsgeschäft. Für Anleger stützt das die von Citi vertretene These: Eigene Datenbanken können im Wettbewerb einen Vorteil bieten.
Im FAZ-Gespräch diskutieren Wolters-Kluwer-Deutschland-Chefin Stephanie Walter und Libra-Gründer Viktor von Essen über KI-Strategien von Kanzleien. Auch die Konkurrenz durch Modellanbieter und die Zukunft der Stundensätze stehen auf der Agenda. Wolters Kluwer hatte das auf juristische KI spezialisierte Start-up Libra vor einem Jahr übernommen.
UpToDate erhält einen weiteren Zugang
Gestern vereinbarten Doximity und Wolters Kluwer Health, Inhalte von UpToDate in das KI-Werkzeug Doximity Ask einzubinden. In den kommenden Wochen sollen Ärzte teilnehmender Gesundheitssysteme Ask-Antworten neben den Fachinhalten von UpToDate sehen können.
Das Angebot umfasst 13.000 Themen und Leitfäden zur bewährten medizinischen Praxis. Hinter UpToDate stehen 7.600 Experten, Editoren und Fachgutachter. Doximitys Clinical AI Suite kommt bereits in mehr als 165 Gesundheitssystemen zum Einsatz.
Die Partnerschaft schafft damit einen zusätzlichen Zugang zu den medizinischen Inhalten von Wolters Kluwer. Sie verbindet die Wissensbasis mit einem KI-Werkzeug, das Ärzte in teilnehmenden Einrichtungen nutzen können. Die Zusammenarbeit zeigt, wie das Unternehmen Fachinformationen in Anwendungen anderer Anbieter einbindet.
Geprüfte Inhalte statt unbelegter Empfehlungen
Bereits am Montag beschrieb Wolters Kluwer den Wandel von UpToDate: Aus der klinischen Referenz soll eine Plattform für die klinische Entscheidungsunterstützung werden. Die Enterprise Edition bietet dafür anpassbare Funktionen und Systemanalysen.
Die als Expert AI bezeichneten Funktionen stützen Antworten auf fachlich geprüfte Inhalte und Quellen. Sie sollen unbelegte Empfehlungen vermeiden. Außerdem lassen sich Inhalte in elektronische Patientenakten wie Epic sowie in mobile Anwendungen, Dokumentationswerkzeuge und Patientenportale integrieren.
Der Ansatz verbindet KI-Funktionen mit redaktionell geprüftem Wissen. Für die Bewertung der Strategie ist deshalb nicht allein die Leistungsfähigkeit eines Modells relevant. Ebenso wichtig ist, ob Wolters Kluwer seine Inhalte an den Stellen verfügbar macht, an denen Fachkräfte tatsächlich arbeiten.
Citi sieht weiteres Potenzial
Citi Research erhöhte gestern das Kursziel für Wolters Kluwer von 99 auf 107 Euro und bestätigte die Kaufempfehlung. Die Bank bevorzugt das Unternehmen innerhalb des betrachteten Sektors und sieht trotz der starken Entwicklung im vergangenen Monat weiteres Potenzial.
Zur Begründung verweist Citi auf die eigenen Datenbanken als Wettbewerbsvorteil. Höhere Ausgaben für die Produktentwicklung sollen zudem die Innovation beschleunigen. Die UpToDate-Partnerschaft liefert dafür ein konkretes Anwendungsbeispiel, aber noch keinen Nachweis zusätzlicher Erlöse.
Der nächste Termin für neue Unternehmensangaben ist das für den 4.11.2026 geplante Handelsupdate. Für die Investmentthese zählt, ob aus neuen KI-Angeboten und zusätzlichen Vertriebswegen auch geschäftlicher Fortschritt entsteht.
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