Ein kurzes Video hat der Xiaomi-Aktie zuletzt kräftigen Schub gegeben. Firmenchef Lei Jun postete Aufnahmen aus einer Fabrik des Konzerns auf der Plattform X. Zu sehen sind menschenähnliche Roboter, die Arbeitsschritte in der Elektroauto-Produktion übernehmen. Die Aktie legte im Hongkonger Handel daraufhin rund sieben Prozent zu.
Roboter lernen während der Arbeit
Noch sind die Maschinen langsamer als menschliche Beschäftigte. Entscheidend ist aber ihre Lernfähigkeit. Während der Arbeit erfassen die Roboter Bewegungen und Abläufe. Die Software wertet diese Daten aus und passt die nächsten Schritte an. So soll die Leistung der Systeme kontinuierlich steigen.
Gesteuert werden die Roboter von einem neuen KI-System aus dem eigenen Haus: Xiaomi-Robotics-1. Das multimodale Modell verbindet Wahrnehmung, Bewegung und Entscheidungsfindung. Nach Angaben des Konzerns basiert das Training auf mehr als 100.000 Stunden realer Bewegungsdaten. Dadurch sollen die Maschinen neue Tätigkeiten bereits nach kurzen Demonstrationen erlernen.
Xiaomi denkt dabei über die Autofabrik hinaus. Als mögliche Einsatzfelder nennt der Konzern das Verpacken von Smartphones, das Auffüllen von Druckern und das Einräumen von Waschmaschinen.
Ökosystem als Trumpfkarte
Der eigentliche Reiz der Ankündigung liegt für Beobachter im bestehenden Geschäftsmodell. Xiaomi verfügt bereits über ein breites Ökosystem aus Smartphones, Elektroautos und vernetzten Haushaltsgeräten. Gelingt es dem Konzern, humanoide Roboter zuverlässig und günstig anzubieten, könnte daraus ein weiterer großer Geschäftsbereich entstehen.
Smartphone-Schwäche trifft auf Kurserholung
Die Robotik-Ankündigung trifft auf ein angeschlagenes Kerngeschäft. Im zweiten Quartal fiel Xiaomis Anteil am Smartphone-Markt auf 11 Prozent, wie der Marktforscher Omdia ermittelte. Damit rutschte der Konzern hinter Samsung und Apple auf Platz drei – im Vorjahresquartal lag der Anteil noch bei rund 15 Prozent.
Samsung führt den Markt inzwischen mit 22 Prozent an, Apple kommt auf 20 Prozent. Als Grund gelten gestiegene Speicher- und Bauteilkosten. Sie machen rund 60 Prozent der Materialkosten bei günstigen Geräten aus.
Der Kurs zeigt sich davon zunächst unbeeindruckt. Zum Handelsschluss am Freitag notierte die Aktie in Frankfurt bei 3,03 Euro. Über 30 Tage steht dennoch ein Plus von 8,57 Prozent zu Buche – ein Zeichen für die technische Erholung der vergangenen Wochen.
Der langfristige Trend bleibt trotzdem angeschlagen. Seit Jahresbeginn verliert das Papier knapp 30 Prozent.
Die Robotik-Fantasie liefert Xiaomi ein neues Zukunftsnarrativ. Das schwache Smartphone-Geschäft bleibt davon unberührt. Bislang zeigt der Konzern lediglich Prototypen in einer einzelnen Fabrik – ein marktreifes Produkt steht noch aus.
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