Ripple hat am heutigen Montag zwei neue Wetten auf die Tokenisierung platziert. Das Unternehmen investiert in die britischen Firmen ZILO und Licuido, um die Infrastruktur des XRP Ledger für digitale Kapitalmärkte auszubauen. Finanzielle Details zu den Investitionen nannte Ripple nicht. Der Kurs von XRP reagiert darauf bislang kaum und bewegt sich weiterhin in einer engen Handelsspanne.
Neue Partner für den XRP Ledger
ZILO bringt Technologie für Transferagentur- und Fondsverwaltung mit, Licuido eine Plattform für Token-Emission, Handel und Kollateral-Management. Ripple sieht darin die Grundlage, um Abwicklungen direkt mit dem eigenen Stablecoin RLUSD als sogenanntem Cash-Leg im Delivery-versus-Payment-Verfahren zu verbinden. Ripple-SVP Nigel Khakoo bezeichnete die Tokenisierung als bloßen Startpunkt einer größeren Strategie und verwies auf bestehende Partnerschaften mit Aviva Investors, Franklin Templeton und DBS. Licuido-Chef Brian Lynch erklärte laut Finextra, die Plattform ermögliche Ausgabe und Vertrieb digitaler Wertpapiere in einer regulierten Umgebung.
Der Vorstoß reiht sich in eine Serie institutioneller Anknüpfungspunkte ein. Aviva Investors hatte am 29. Juli eine tokenisierte Anteilsklasse seines US-Dollar-Liquiditätsfonds auf dem XRP Ledger gestartet. Ripple ist zudem an einem britischen Vorhaben zur Tokenisierung von Repo-Geschäften, Anleihen und Fonds beteiligt, das laut einem Bericht des britischen Finanzministeriums unter Autor Chris Woolard ein Hybridmodell aus regulierten Netzwerken auf öffentlichen Blockchains vorsieht. Santander UK nutzt die Ripple-Infrastruktur bereits für grenzüberschreitende Zahlungen, während eine Kooperation mit DXC Technology Ripples Custody- und Zahlungslösungen in eine Kernbankenplattform mit mehr als 300 Millionen Konten einbindet. Der XRP Ledger selbst hat nach Ripple-Angaben seit 2012 über vier Milliarden Transaktionen abgewickelt und zählt rund sieben Millionen aktive Wallets bei 120 Validatoren.
Ledger-Update und Escrow-Freigabe als nächste Prüfsteine
Parallel dazu bereitet das Netzwerk das Upgrade xrpld 3.3.0 vor, das laut RippleX-Produktchef Reece Cooper in dieser Woche zur Aktivierung anstehen soll. Fünf neue Funktionen – darunter Confidential MPT, Batch-Transaktionen, delegierte Berechtigungen sowie gesponserte Gebühren und Reserven – zielen auf institutionelle Anwendungsfälle wie tokenisierte Vermögenswerte und Compliance ab. Für die Aktivierung ist eine Zustimmung von 80 Prozent der Validatoren über einen Zeitraum von zwei Wochen erforderlich.
Auf der Angebotsseite hat Ripple am 1. August turnusgemäß eine Milliarde XRP aus dem Escrow freigegeben, verteilt auf drei Tranchen. Historisch werden davon rund 700 Millionen Token umgehend wieder gesperrt, sodass netto etwa 300 Millionen XRP in den Markt gelangen. Ripple-CTO David Schwartz erklärte, das Unternehmen halte insgesamt noch rund 32,9 Milliarden XRP im Escrow, das bei unveränderter Freigabepraxis bis etwa 2035 oder 2036 reichen könnte – ein genaues Datum ließ sich seinen Angaben zufolge nicht festlegen.
Kurs trotz Zuflüssen weiter unter Vorjahresniveau
Trotz der Unternehmensnachrichten notiert XRP aktuell bei 1,07 US-Dollar und damit 43,15 Prozent unter dem Stand zu Jahresbeginn. Zum 52-Wochen-Hoch von 3,37 US-Dollar, das im vergangenen August markiert wurde, beträgt der Abstand 68,37 Prozent – ein Hinweis darauf, dass die Serie institutioneller Ankündigungen den Kurs bislang nicht nachhaltig gedreht hat. Der RSI von 43,1 signalisiert eine neutrale bis leicht schwache Marktverfassung ohne klare Trendrichtung.
Auf der Nachfrageseite zeigen sich US-Spot-ETFs auf XRP robuster als der Kurs vermuten lässt: Die Produkte verzeichneten den vierten Monat in Folge Nettozuflüsse und kumulierten seit ihrem Start rund 1,5 Milliarden US-Dollar, bei einem Nettovermögen von knapp 989 Millionen US-Dollar. Allerdings schwächt sich das Tempo ab – von 131,9 Millionen US-Dollar im Mai auf nur noch 27,3 Millionen US-Dollar im Juli. Fabian Dori von der Sygnum Bank wertete den anhaltenden Zufluss dennoch als Signal fortschreitender institutioneller Adoption. Auf der Konferenz Consensus 2026 unterstrich Ripple-Chef Brad Garlinghouse die Bedeutung, XRP als Kollateral auf institutionellen Plattformen zu etablieren, und bekräftigte seine Erwartung einer Multi-Chain-Zukunft statt eines einzigen dominierenden Netzwerks. Ob solche strukturellen Fortschritte den Kurs aus seiner Konsolidierung zwischen Unterstützung und Widerstand befreien, dürfte sich in den kommenden Wochen an der Reaktion auf das Ledger-Upgrade zeigen.
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