Während Südeuropa im Preisabwärtsstrudel steckt, hält der deutsche Baustahlmarkt überraschend hohe Preise – trotz sinkender Rohstoffkosten und Produktionsrückgängen. Was treibt diese ungewöhnliche Entwicklung?

Deutschland: Teurer Stahl trotz günstigerer Rohstoffe

Der deutsche Markt tanzt aus der Reihe: Aktuell werden für Betonstahl 665 Euro pro Tonne inklusive Lieferung verlangt – ein deutliches Premium gegenüber südeuropäischen Preisen. Paradox dabei:

  • Schwerer Stahlaltschrott (E3) verbilligte sich um 10% auf 298 Euro/Tonne
  • Elektrostahlproduktion brach im April um 4,3% ein
  • Jahresbilanz Januar-April: Minus 5,9% auf 3,7 Millionen Tonnen

Warum fallen die Endpreise nicht? Entscheidend sind Produktionskürzungen führender Hersteller, die das Angebot verknappen. Ergebnis: Preistreiberei trotz günstigerer Inputkosten.

Südeuropa: Abwärtsspirale in vollem Gang

Ganz anders das Bild im Süden: Italien verzeichnete allein bei Schrottkosten einen Rückgang um 3% auf 315 Euro/Tonne. Die Margen der Stahlproduzenten stehen unter Druck – ein klassischer Abwärtstrend.

Globale Einflüsse verschärfen die Lage

China schwächt den Markt weiter:

  • Bewehrungsstahl-Futures (Oktober 2025) an der Shanghai Futures Exchange im Sinkflug
  • Eisenerz-September-Kontrakt an der Dalian-Börse fiel auf 706,5 Yuan/Tonne (-2,21%) – niedrigster Stand seit Mitte Mai
  • Singapurs Benchmark-Eisenerz verlor 1,09% auf 97,05 USD/Tonne

Südkoreas Dongkuk Steel reagiert drastisch: Die Stilllegung der Incheon-Anlage für einen Monat (Juli-August) wird das Angebot um 200.000 Tonnen reduzieren. Ein klares Signal – auch Hyundai Steel zieht mit.

In China selbst:

  • Bewehrungsstahlpreise büßten 10-50 Yuan/mt ein
  • Gedrückte Stimmung, schwacher Handel
  • Immobilienkrise dämpft die Binnennachfrage weiter

Die große Frage: Wann erreicht der Abwärtstrend Deutschland?

Bisher schützen lokale Engpässe den deutschen Markt. Doch wie lange noch? Die globale Schwächephase im Stahlsektor gewinnt an Dynamik – während hierzulande die Preise hartnäckig hoch bleiben. Ein Spannungsfeld, das Investoren genau beobachten sollten.